Out of Africa

Parkplatz, Elat, Israel, Geoposition N29° 30.566’, E034° 55.336’, Meereshöhe, 19.12.2011

Schiff im Suezkanal
Sinai Halbinsel
Moses Berg

Ab Kairo fahren wir an den zum Roten Meer gehörenden Golf von Suez. Unterqueren am 18.12 den nach der selben Stadt benannten Kanal, um auf die Sinai Halbinsel zu gelangen.
Bei der Sinai Halbinsel sind wir uns nicht ganz sicher, ob diese geologisch noch zu Afrika zählt oder bereits zu Asien, sicherheitshalber befällt uns schon mal Wehmut und wir blicken voller Sehnsucht aufs gegenüberliegende Gebirge zurück.
Übernachten tun wir am ebenfalls Sinai bennanten Berg auf welchem Moses die zehn Gebote erhalten hat. An der Stelle, wo ihm der brennende Busch gesagt hat er solle diesen erklimmen, hats nämlich heute ein Kloster und dazugehörige touristische Infrastruktur. Wir geniesen diese, verzichten aber auf die Gipfelstürmung, wollen bereits heute versuchen Israel zu erreichen, denn Ausfahrt aus Ägypten soll kompliziert sein und Einfahrt nach Israel zeitintensiv.
Wir erreichen die Grenze Taba-Elat um die Mittagszeit. Vorerst scheint alles in geordneten Bahnen, zuerst eine Schranke, an welcher uns 2 Ä£ pro Person Stempelgebühr abgeknöpft werden, eine Gebühr, auf die auch mit entsprechender Tafel ordnungsgemäss hingewiesen wird.
Aber bereits kommen einige ununiformierte Gestalten des Weges, stellen inoffizielle Fragen, versuchen wohl das Feld für irgendwelche Abzocke zu ebnen. Wir lassens abprallen, fahren ohne Reaktion aber schnellst möglich ins Zollgebiet, wo wir von zwei weitern Polizisten zu einer sehr gründlichen Fahrzeugkontrolle eingeladen werden. Zu verbergen haben wir nichts und eilig haben wirs auch nicht, lassens über uns ergehen. Zum ersten Mal werden aber unsere Massai-Schwerter bemerkt und Anstalten gezeigt, diese zu konfiszieren.
Natürlich versuchen wir das zu verhindern, wollen diese keinesfalls aus den Augen lassen. Während ich nun das Auto wieder einräume, begleitet Christina mit unseren Pässen, die Schwerter ins Zollbüro, wo diese von Büro zu Büro und Rang zu Rang nach oben klettern, in Bubenaugen Freude auslösen und Mal für Mal ein altehrwürdiges schrrrrit beim ziehen aus der Scheide zum besten geben.
Ok, sei kein Problem, ein Militär werde uns zu den Israelis begleiten, und die Messer den dortigen Sicherheitskräften übergeben.
Ausreise Karte ausfüllen und wir werden ausgestempelt. Da wir ja noch das Auto haben, geht also Christina schon mal zu Fuss mit den begleiteten Schwertern zur Grenze und ich mit den Nummern und Fahrzeugpapieren zum Costums. Dort wird erst mal das Carnet gestempelt, und mit Quittung versehene 21 Ä£ kassiert, diesmal gibt’s auch einen Kassenzettel für mich.
Auch cool ist, dass die Polizei inklusive Trafficcort gleich im selben Gebäude zuhause ist. Kein suchen, kein Rumrennen, ein Formular wird mir ausgefüllt, die Chassinummer kontrolliert und 50 Ä£ kassiert. Diese sind nun nicht mehr quittiert aber mir ists egal, wir sind durch! Mühselig wars nicht, gedauert hats auch nicht übermässig lange. Alles in allem 75 Ä£ (13US$).
Nun geht’s also nach Israel, zurück zur westlichen Welt. Zwar war schon Ägypten zu den vorhergehenden Ländern recht entwickelt, aber krass ist’s doch. Elektronische Schranken die funktionieren, Klos die spülen und Regeln die einwandfrei zu befolgen sind. Als erstes muss Christina ins Auto klettern, damit wir zusammen an die Schranke stehen können um das Prozedere zu beginnen.
Ob wir Waffen oder waffenähnliche Sachen mitführen?
Ja, die Masseischwerter, die uns die Ägypter abgenommen haben.
Ok, das sei registriert und kein Problem, wir bekommen diese zurück, wenn alles vorbei sei.
Nun öffnet sich die Schranke und wir können einfahren.
Sicherheitspersonal hats viel, aber alles junge Leute, freundlich und begeistert von unserem Auto. Nicht begeistert sind sie aber, vor dem was auch ihnen nun bevorsteht. Wir müssen nämlich das komplette Auto ausräumen und alles durchs X-Ray schicken! Dies haben wir schon gewusst, wurde uns von verscheidener Seite bereits gesteckt.
Nagutnadann, auspacken und zwar alles. Penibel achten wir darauf, ja nichts zu vergessen, denn auch gehört haben wir von anderen die Sachen vergessen oder bewusst nicht ausgepackt haben, und danach empfindlich gebüsst wurden.
Alles wird auf die bekannten Gepäckwagen geräumt und gescannt, aber irgendwann haben auch die Sicherheitsleute genug, lassen den Rest gut sein. Wir werden inzwischen zur Passkontrolle geschickt. Da wir im Sudan, einem wohl kritischen Land, waren, müssen wir hier zur Sondersicherheitsfachfrau, wo ich erst mal nach Namen (Dominik Giger), Namen des Vaters (Marcel), Namen des Grossvaters (Werner) und Geburtsort (Olten) gefragt werde.
-Wieso haben Sie einen Provisorischen Pass?
-Der andere war voll?
-Wo wurde dieser ausgestellt?
-Nairobi
-Nairobi?
-!?! Die Hauptstadt von Kenia?
-Wieso waren Sie im Sudan?
-Durchreise von Äthiopien nach Ägypten?
-Acht Tage?
-Ja...erster Tag Ankunft, dann nach Khartoum,etc...
-Also Tourismus?
-Jawol.
-Wie heisst Ihr Hotel in Israel?
-Wir sind Camper, schlafen im Auto. Wissen Sie vielleicht, wo in Elat ein Campingplatz ist?
-Die ganze Stadt ist voller Hotels, aber Campingplätze gibt es nicht, Sie können sich wo immer Sie wollen hinstellen! Ok, Sie können drausen warten.
-Soll ich Christina reinschicken?
-Nein, warten Sie einfach.
Also warten wir 1.5 Srunden! Die Frau ist sehr geschäftig, erledigt irgendwelchen Papierkram, der sicher nichts mit uns zu tun hat. Vielleicht werden wir im Geheimen beobachtet und auf zuhnehmende Nervosität kontrolliert. Eigentlich ist uns die Warterei auch egal, wenn nurnicht unser ganzer Krempel noch auf die Wiedervereinigung mit dem Auto warten würde...
Irgendwann werden wir gefragt, ob wir den Israel-Stempel im Pass haben wollen. Dies darum, weil diverse Arabische Nationen die Einreise verweigern, wenn man einen Sichtvermerk von Israel im Pass hat. Für mich kein Problem, denn ich habe ja eh nur den Provisorischen Pass im Angebot und Christinas Pass ist auch schon wieder halb voll.
Wir kriegen die gestempelten Pässe also zurück und werden zum Customs geschickt. Hier kommt uns zu Gute, dass unser Auto immer noch die Originalkennzeichen hat und dem entsprechend ordnungsgemäss Zuhause angemeldet und versichert ist. Denn in Israel gilt die europäische Versicherungskarte!
Heisst also für uns, nur Papierkrieg, keine Spesen. Während des Cellulosekrieges dürfen wir sogar das Auto einräumen gehen und können dann die fertigen Papiere abholen kommen.
Wunderbar.
Schneller als erwartet, aber immer noch lange genug verläuft die Einräumerei. Zu bemerken ist hierzu, dass bei der ganzen Räumaktion nichts zum Vorschein kam, was zur Kategorie „Ups, das haben wir ja auch noch mit!“ gehört, was aber nicht heisst, dass darunter nicht Sachen sind, die wir nicht mehr mitnehmen würden.
Als wir fertig sind, ists dunkel. Wir gehen zurück zum Zoll die Papiere abholen und fahren hinein nach Israel.
Jetzt ists defintiv. 19.12.2011 nach 384 Tagen Afrika sind wir draussen und natürlich haben wir die Masseischwerter vergessen, müssen nochmals zurück, kriegen diese problemlos ausgehändigt.
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