Der Spass beginnt

Sibiloi HQ, Sibilo Nationalpark, Kenia, Geoposition, Höhe, Datum

Rav4 in action
Movi in action
Flussfahrt
all 3 stuck
Testlauf
Kamele

Eigentlich haben wir uns überlegt, einen Tag Ruhepause in Loyangalani einzulegen, aber da wir das Palmshade Camp bereits Mittags erreicht haben, fahren wir am nächsten Morgen gleich weiter, zudem hats seit 48 Stunden nicht geregnet und das soll eigentlich ausgenützt sein. Anzumerken, denn entscheidend für die nächsten zwei Tage ist, dass sich Axel und E-Simon uns entgültig angeschlossen haben, und so fahren wir nun zu dritt im Konvoi.
Die Piste ist weiterhin ausgezeichnet und wir beginnen uns ernsthaft zu fragen, wo denn eigentlich die schlechten Stücke abbleiben, als der Regen wieder einsetzt und das Gelände steiniger wird und zu einer Geröllwüste ansteigt. Tief werden die Fahrspuren, für uns und den Landrover aber kein Problem, allerdings für den RAV4, der zum ersten Mal richtig stecken bleibt, nicht mehr vor und zurück kann. Aber Konvoi sei dank, das Auto braucht nicht komplett ausgegraben zu werden, ein einebnen der Strecke reicht, und der Landi zieht ihn raus. Überhaupt kommen die zwei mit dem Spielzeug 4x4 doch recht gut durch, lösen Passagen, die Wühlkraft erfordern, mit Geschwindigkeit und halsbrecherischer Fahrweise, bleiben vorerst nicht mehr weiter stecken. Glücklicherweise hat auch der zwischendurch biblische Regen wieder aufgehört.
Irgendwann ist dennoch die wieder sandig-kiesige Piste komplett überschwemmt, schickt uns auf eine Ausweichspur, die um ein Wasserbecken zu führen scheint. Vorerst geht alles gut, aber immer wieder folgen Stellen, die oberflächlich hart scheinen aber nach erstem Einsinken komplett nassen Sand zum Vorschein bringen, ähnlich dem Angoladebakel. Es kommt, was kommen muss, der RAV4 steckt ein. Wir, die wir zuhinderst fahren und immer Abstand vor schwierigen Passagen halten, bleiben auf trokenem Grund stehen und die Schotten im Landy zuvorderst auch. Wir besichtigen die Einsteckstelle, E-Simon ist bereits am graben, Axel kommt zu Hilfe. Vorerst erfolglos, die beiden stecken bis zum Chassi im Schlamm (Gut bei 10 cm Bodenfreiheit nicht weiter schwierig). Wir entscheiden abermals den Landi zu Hilfe zu nehmen und den Toyota rauszuziehen. Dummerweise zeigt sich aber, dass damit vorerst nichts ist, denn auch der Landi grabt sich ein, hat zu lange am selben Ort gestanden. Einzig Mowag ist vorerst noch im Trockenen, und ich entscheide mich nach gründlicher Auslotung des Terrains diesen etwas näher zu parken auf einem vermeintlich trockenen Grund. Leider habe ich aber damit ebenfalls keinen Erfolg, bleibe stecken. Konvoi komplett steckt im Schlammsand, glücklicherweise aber nicht zu tief, das Problem liegt so weniger beim Ausgraben wie beim Verhindern nochmaligen Einsteckens, lehrt uns, dass ein Verlassen der Fahrspur mitunter fatal sein kann. So graben wir zwar unsere Autos aus, warten aber mit dem Weiterfahren, bis der Boden weiter ausgetrocknet ist. Derweil haben Kirsty und Christina die weitere Fahrspur untersucht, und festgestellt, dass eine Verfolgung dieser schneller zur Hauptspur führt wie ein Wenden. Es wird ein Spiesrutenlauf aber wir schaffens.
Es zeigt sich, dass wir mit unseren fast 5 Tonnen erheblich benachteiligt sind, wenns von der Piste abführt. Zu weich ist der Untergrund, immer wieder sinken wir leicht ein, können uns aber dank erhöhter Geschwindigkeit in Bewegung halten. Erhöhte Geschwindigkeit führt aber auch zu vermehrtem Rumhopsen, was Mowag gar nicht mag und immer wieder durchschlägt.
Kurze überschwemmte Passagen sind also, auch wenn mit schlammiger Oberfläche, einfacher und sicherer zu bewältigen als Umfahrungen, denn Mowag sinkt einfach auf harten Grund und wühlt sich problemlos durch.
Kurz nach vier ist aber entgültig Schluss, nicht weil wir wieder einstecken sondern weil ein reissender Fluss unseren Weg kreuzt. Wir suchen zwar erst noch nach einer Umfahrung, aber damit ist nichts und so beschliesen wir mit entsprechendem Sicherheitsabstand zu campen. Lagerfeuer, Wildnis, Frieden.
Der Plan für den folgenden Morgen beinhaltet frühes Aufstehn, Fluss besichtigen, und wenn möglich vor dem nächsten Regen zu queren und auf der anderen Seite zu frühstücken. Um 6.30 Uhr stehen wir also am Ufer, werden mit der Tatsache vertraut, dass Flüsse hierzulande schneller verschwinden wie Dik-Diks im Gebüsch, wo am abend zuvor das Wasser noch Arschtief und reissend war, ist es heute bestenfalls Knöcheltief. Eine Querung ein Kinderspeil, der Kaffee danach köstlich.
Dass wir nicht die einzigen waren, die in der Wüste übernachtet haben zeigt die Uhr, als der erste Besuch uns beim Frühstück überrascht. Zwei Landcruiser vollgepackt mit irgendwelchen Regierungshelfern tauchen auf, leifern uns hilfreiche Informationen über die folgende Piste (sehr gut), wir wollens ihnen gleich tun, aber die Tatsache das wir einen RAV4 dabei haben sagt eigentlich alles.
Wunderbar sind die folgenden Kilometer, führen uns entlang einem steinigen Hügelzug, auf besten Kiespisten, weitere Dryriverbeds sind tatsächlich trocken, führen uns bis Mittags fast so weit wie gestern den ganzen Tag.
Dass es doch nicht so weit wie am Vortag ist, liegt an einer weiteren überschwemmten Stelle. Abermals scheint ein Vorwärtskommen am selben Tag ausgeschlossen. Verstärkt wird das Gefühl von einem Toyota Landcruiser, der 200m weiter hinten im Schlammsand abseits der Piste steckt, und von den sechs KWS Mitarbeitern, die kurz nach uns auf der andern Seite auftauchen, nach kurzer Besichtigung, einen Versuch der Querung starten, aber auf halber Strecke vom Weg abkommen, hoffnungslos stecken bleiben. Vielleicht hätten sie es geschafft, wenn sie nicht einfach nur wie die Wilden drauflosgedonnert wären, sondern auch etwas Feingefühl für entsprechend besser zu fahrende Fahrspur an den Tag gelegt hätten. Aus unserem Konvoi würds Mowag wohl so am ehsten schafffen, wohl auch der Landy sicher, aber nicht der RAV4. Für den wäre hier wohl Schluss, nicht aber für E-Simon, der sich fest vorgenommen hat, den Sibiloi heute oder gar nicht zu erreichen, darum mit Axel gewettet hat, der sowieso von beiden der Vernünftigere zu sein scheint und das ganze unternehmen mit gesunder Skepsis betrachtet. E-Simon gibt sich also nicht geschlagen, läuft weite Strecken den Wassergraben ab um eine Furt zu finden, die eine Querung erlaubt. Tatsächlich hat es so eine, und so fahren wir, E-Simon, Simon und ich mit dem RAV4 dahin, wobei mein Augenmerk eher auf den Zufahrtswegen dahin liegt, denn Offroad hat Mowag uns gestern gezeigt, ist eigentlich zu verwegen.
Aber das Terrain scheint trocken, wir wagen und meistern die Anfahrt.
An der Behelfsfurt ist erst mal etwas Sträucherwegräumen angesagt, denn für Mowag brauchts etwas mehr Spielraum oben und für den Toyota unten. So kommt erstmals mein Masaischwert, das ich in Tanzania erhandelt habe, und Simons Samburuklinge, zum Einsatz. Die Schwerter sind tatsächlich über Erwarten scharf, ermöglichen grossflächige Rodungen und eine ziemlich lange knochentiefe Schramme im Schienbein. Zugefügt hat sie sich, wie könnte es anders sein, E-Simon, der mit einem Bein hinterm Busch steht, als er diesen mit dem Samburustahl zu bändigen versucht, was ihm dank genügend Schwung 1A gelingt. Als Kommentar zu seiner Aktion fügt er in knochentrockenem Englisch an: „That wasn’t a good idea!“
Glücklicherweise sind die zwei Schotten wie gesagt Ärzte, haben entsprechendes Repertoir dabei, Simon näht mit drei Stichen!
Nach kurzem Intermezzo rückt nun wieder Flussqueren in den Vordergrund. Plan ist, Landi zuerst, dann der Toyota, zuletzt wir. Notfallplan, ist bei Einsinken können die Trockenstehenden das fehlgeschlagene Auto bergen.
Landi kommt recht gut durch, bleibt aber am letzten Absatz hängen, kurzes Graben und heftigeres Anschieben reicht aber, durch.
Der RAV4, mit E-Simon bereits wieder am Steuer, machts wie gehabt mit speed schafts auch. Nun ich und wie immer werde ich leicht nervös, wenn wir die einzigen sind, die am falschen Ufer zurückbleiben. Zusätzlich legen wir noch Sträucher in die Fahrbahn, Untersetzung 3. Gang und natürlich Allrad, keine Probleme.
Aktion erfolgreich, einzig der Toyota hat sich einen Platten eingefangen, den Axel und E-Simon beheben müssen. Wir andern stellen sicher, dass die zwei das auch managen und machen uns auf, zurück zur ca. 2km entfernt leigenden Strasse, über mit Büschen durchstetzte Sandebene.
Und es wird ein Höllenritt, immer noch in Untersetzung und 3. Gang versuchen wirs, merken unmitelbar nach Abfahrt, dass das Gelände sehr tief ist. Immer wieder verlangsamt sich unsere Geschwindigkeit, gefolgt von abnehmender Höhe über der Hinterachse, fast erreichen wir Stillstand, um nur kurz darauf wieder an Geschwindigkeit zuzulegen. Wieder geschafft! Zur Risikominderung versuchen wir über buschiges Terrain zu fahren, denn dort scheints trockener. Die Büsche sind nur etwa 3cm hoch, würden also kein Risiko bedeuten, spielt aber keine Rolle, denn bei Radkontakt versinken diese im Sand, geben aber doch Griff. Wos keine Büsche gibt wird unsere Spur bis 50 cm tief, möglichst wenig lenken ist angesagt. Wir schaffens, erreichen die Sicherheit der Strasse.
Die KWS-Typen sind mitlerweile auch weg, bleibt nur der Landcruiser im Schlammsand. Passagiere hier, zwei Männer, zwei Frauen und ein Baby! Seit fast 24 Stunden stecken sie schon hier, sind gestern abend um 8.00 Uhr (dann ist bereits stockdunkel, wohlgemerkt) hier lang gekommen und einfach existierenden Spuren gefolg, haben kein Wasser und kein Essen mit. Randbemerkung, dass die Deppen, die zweifelsohne Kandidaten für den Darwin Award wären, würden sie hier verenden, lokale Mitarbeiter von Veterinairs sans Frontier sind.
Aber wir wollen das wider besserem Wissen verhindern, unterbrechen die natürliche Selektion, helfen ihnen zurück auf die Strasse, und supporten sie mit Wasser und Brot.
Für uns sind die Abenteuer des Tages so abgeschlossen und wir erreichen auf weiterhin bestmöglichster Piste und unbeschreiblicher Landschaft, den Sibiloi National Park, wo sich E-Simon und Axel im Guesthouse einquartieren, und uns so einen kostenfreien Stehplatz davor ermöglichen. Bier gibt’s keines, aber kalte Softdrinks und Gin haben wir noch mit. Butternut-Curry!
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Comments

Posted by Jens | November 23, 2011 | 20:42:49
Hallo ihr zwei. Wenn das mal nicht die passende Jahreszeit für die Turkana Route ist. Da war uns ja beinahe unser Motorschaden in der Ecke lieber. Weiterhin viel Spass beim Wühlen und alles Gute aus dem warmen und trockenen Windhoek.

Jens und Janina vom Abenteuerbus.de
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Posted by chris | November 25, 2011 | 07:00:14
Hoi Domi+Christina, verfolge aus sicherem Abstand und mit Spannung Euer (vor) letztes grosses Abenteuer und würde mich am Liebsten mit meinem "Hängebauchschwein" an Eurer Seite durch den Dreck wühlen. Hier plagen uns seid Wochen das Gejammer über Euro u. Finanzmisere, sowie der zähe Nebel im Unterland. Dafür ist es darüber makellos ruhig und sonnig. Die Ersten geraten schon in Panik weil der Schnee wieder mal ausbleibt. Nehme an, dass der dann voll reinhaut wenn ihr vom Süden raufkommt, oder besser lässt Ihr den gleich aus und kommt zurück wenns wieder wärmer wird. In diesem Sinn toi, toi, toi et bon courage. Chris (der aus Mauretanien-Mali)
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