Zivilisation ist....

Am Toten Meer, Ein Gedi, Geoposition N31° 27.544’, E035° 23.872’, Höhe -412muM

Christina am Roten Meer
Domi im Roten Meer

Von Elat geht’s innerhalb eines halben Tages nach Asdod.
Zivilisation ist nämlich, wenn alle Strassen bestens sind, wie zuhause. Auch sind alle relevanten Richtungen angeschrieben, für uns nicht unwesendlich, denn wir haben werder eine Strassenkarte noch die GPS Daten von Israel.
Von Voteil ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Ortschaften ebenfalls in English angeschrieben sind, denn nach Äthiopien und dem arabischen Raum treffen wir hier auf die dritte für uns unleserliche Schrift, nämlich hebräisch. Manchmal kämpfen wir trozdem mit der benötigten Richtung, denn nicht immer sind Ashdod oder Tel Aviv angeschrieben. Wir nehmen uns darum vor, trotz der zivilisatorischen Erungenschaften bei der nächsten Gelegenheit eine Strassenkarte zu kaufen.
Aber Israel ist klein, sehr klein sogar, ehe wir uns versehen sind wir in Ashdod, unserem Ziel, denn von hier bringt uns ein Frachtschiff der italienischen Grimaldi Lines nach Savona, Italien.
Wir streichen die Karte wieder von der Shoppingliste, gehen aber trotzdem einkaufen, geniessen die westliche Welt, denn
Zivilisation ist, wenn shoppen stressfrei ist, alles soviel kostet wie angeschrieben! Vorausgesetzt man hat das nötige Kleingeld, denn die Preise sind den fortschritlichen Umständen entsprechend. Wir haben das nötige Kleingeld nicht. Beschränken uns auf schlendern und Simkarte erstehen. Die Simkarte benötigen wir zur Kontaktaufnahme mit dem Hafenagenten, um Abfahrtszeitpunkt in Erfahrung zu bringen, denn
Zivilisation ist nicht, wenn alles pünktlich ist sondern
Zivilisation ist, wenn Terminverschiebungen vorangekündigt werden. So auch bei uns, unser Frachtschiff verkehrt nicht am 25.12 wie vorgesehen, sondern erst am 29.
Wir haben also 4 zusätzliche Tage, die wir uns hier um die Ohren schlagen müssen. Wir planen, die Tage nicht einfach in Ashdod abzusitzen, sondern einen Abstecher ans Tote Meer zu machen sowie die Zeit zu nützen, um im Internet Jobinserate zu durchwühlen und Bewerbungsunterlagen vorzubereiten. Zu diesem Zweck haben wir zur erstandenen Simkarte ein 5Giga Datenpacket erworben, dass zwar reichlich überproportioniert ist, aber das kleinste im Angebot. Kosten tuts 100 Scheckel (1 € = 5 Scheckel) und funktioniert nicht. Dies völlig unerwartet, denn die Vorgehensweise ist praktisch erpropt in vielen „unzivilisierten“ Ländern. Aber
Zivilisation ist, wenn man zur Verkaufsstelle zurück kann und die junge Verkäuferin einem zu helfen versucht.
Zivilisation ist auch, wenn sich die Verkäuferin ab unserem dreckigen Laptop eckelt, trotzdem sehr hilfsbereit, aber hilflos ist. Aber es gibt ja die Hotline, dort ist die Datenabteilung überlastet, verspricht innert zwei Stunden zurückzurufen. Tut sie nicht, also rufen wir an.
Zivilisation ist, wenn ich in einer Hotline freundlich begrüst werde, mich auf vier Sprachen durch ein endlos scheinende Optionsbaum wählen kann, um am Schluss mit der Null eine ausserordentliche Frage an ein menschliches Ohr richten zu können.
Die Datenabteilung sei jetzt geschlossen, wir sollen morgen nochmals anrufen. Ob es eine Direktwahl gäbe? Gibt es.
Wir rufen andern Tags an, Ja die Datenabteilung sei überlastet, man würde uns in zwei Stunden zurückrufen. Nein werde man nicht, wir warten und finden raus, dass die Direktwahl kostenpflichtig ist und uns irgendwann duch eine hebräische Stimme angesagt wird, dass unser ganzes Guthaben aufgebraucht ist.
Sehr frustrierend, denn eigentlich brauchen wir nur die richtigen Verbindungseinstellungen.
Wir geben noch nicht auf, gehen zu einer richtigen Orange-Servicestelle. Dort wird uns bestätigt, dass unsere Simkarte funktioniere, es also am Modem liege.
Ja, das wissen wir, wir brauchen die richtigen Einstellungen! Können sie uns nicht geben, wir könnten aber ein Orange USB-Modem Kaufen dann gehe es bestimmt.
Ja aber wir sind eben nur 7 Tage da, das lohne sich nicht.
Wieso wir denn nicht einfach WIFI benützen würden? meint die wiederum sehr freundliche Dame zum Abschied und wo sie recht hat hat sie recht. In Israel ist nicht nur das Campen wo immer Platz ist erlaubt und gratis, im Land gibt’s fast flächendeckend gratis WIFI-Spots! Ja im nächsten Leben machen wirs sicher so und sparen uns den Spiesrutenlauf durch die Orange-Kundenbetreuung.
Wir geben auf, rufen nochmals die 0-Option an und wünschen unser Datenpaket wieder in Sprechzeit zurückzutauschen, das funktioniere nicht.
Betroffenheit am anderen Ende, Ja wieso denn...ahso.... ja man könne uns sonst direkt mit der Daten-Hotline verbinden....
Kann man dann doch nicht, aber es wird uns hoch und heilig versprochen sofort zurückzurufen.
Natürlich ruft wieder keiner an. Wir lassen 2 Anstandsstunden verstreichen, rufen nochmals an, wünschen unser Paket zurückzugeben. Wieder Betroffenheit, wieder die Beteuerung einen letzten Versuch zu starten.
Nein Danke!
OK wir sollen ihm 30 Minuten geben, er rufe dann wieder zurück, entwerder mit getauschtem Packet oder mit Hilfe zur Datenverbindung.
Tatsächlich ruft er nach 30 Minuten zurück, tauscht ohne weiteren Komentar, das Datenpacket wieder in Gesprächsguthaben und bittet tausend mal um Entschuldigung.
Bleibt anzufügen, dass etwa drei Stunden später jemand von der Datenhotline anruft und uns auf hebräisch helfen will.
Tut uns leid wir sprechen nur english, eine Tatsache die trotz mehrfachem Telefonat den Weg nicht in die Costumer Relation Datenbank gefunden hat.
Dumm, denn er spreche nur Hebräisch, jemand der englisch könne werde uns zurückrufen.
Wir erklären ihm er solls vergessen wir verzichten!
Zivilisation ist wenn man trozdem lacht. Und Israel ist nicht das schlechteste Land zum warten, hier ist eigentlich alles erlaubt, die Leute sind ausgesprochen nett und heissen uns herzlich wilkommen in ihrem Land.
Wir tuns und verziehen uns ans Tote Meer.

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Out of Africa

Parkplatz, Elat, Israel, Geoposition N29° 30.566’, E034° 55.336’, Meereshöhe, 19.12.2011

Schiff im Suezkanal
Sinai Halbinsel
Moses Berg

Ab Kairo fahren wir an den zum Roten Meer gehörenden Golf von Suez. Unterqueren am 18.12 den nach der selben Stadt benannten Kanal, um auf die Sinai Halbinsel zu gelangen.
Bei der Sinai Halbinsel sind wir uns nicht ganz sicher, ob diese geologisch noch zu Afrika zählt oder bereits zu Asien, sicherheitshalber befällt uns schon mal Wehmut und wir blicken voller Sehnsucht aufs gegenüberliegende Gebirge zurück.
Übernachten tun wir am ebenfalls Sinai bennanten Berg auf welchem Moses die zehn Gebote erhalten hat. An der Stelle, wo ihm der brennende Busch gesagt hat er solle diesen erklimmen, hats nämlich heute ein Kloster und dazugehörige touristische Infrastruktur. Wir geniesen diese, verzichten aber auf die Gipfelstürmung, wollen bereits heute versuchen Israel zu erreichen, denn Ausfahrt aus Ägypten soll kompliziert sein und Einfahrt nach Israel zeitintensiv.
Wir erreichen die Grenze Taba-Elat um die Mittagszeit. Vorerst scheint alles in geordneten Bahnen, zuerst eine Schranke, an welcher uns 2 Ä£ pro Person Stempelgebühr abgeknöpft werden, eine Gebühr, auf die auch mit entsprechender Tafel ordnungsgemäss hingewiesen wird.
Aber bereits kommen einige ununiformierte Gestalten des Weges, stellen inoffizielle Fragen, versuchen wohl das Feld für irgendwelche Abzocke zu ebnen. Wir lassens abprallen, fahren ohne Reaktion aber schnellst möglich ins Zollgebiet, wo wir von zwei weitern Polizisten zu einer sehr gründlichen Fahrzeugkontrolle eingeladen werden. Zu verbergen haben wir nichts und eilig haben wirs auch nicht, lassens über uns ergehen. Zum ersten Mal werden aber unsere Massai-Schwerter bemerkt und Anstalten gezeigt, diese zu konfiszieren.
Natürlich versuchen wir das zu verhindern, wollen diese keinesfalls aus den Augen lassen. Während ich nun das Auto wieder einräume, begleitet Christina mit unseren Pässen, die Schwerter ins Zollbüro, wo diese von Büro zu Büro und Rang zu Rang nach oben klettern, in Bubenaugen Freude auslösen und Mal für Mal ein altehrwürdiges schrrrrit beim ziehen aus der Scheide zum besten geben.
Ok, sei kein Problem, ein Militär werde uns zu den Israelis begleiten, und die Messer den dortigen Sicherheitskräften übergeben.
Ausreise Karte ausfüllen und wir werden ausgestempelt. Da wir ja noch das Auto haben, geht also Christina schon mal zu Fuss mit den begleiteten Schwertern zur Grenze und ich mit den Nummern und Fahrzeugpapieren zum Costums. Dort wird erst mal das Carnet gestempelt, und mit Quittung versehene 21 Ä£ kassiert, diesmal gibt’s auch einen Kassenzettel für mich.
Auch cool ist, dass die Polizei inklusive Trafficcort gleich im selben Gebäude zuhause ist. Kein suchen, kein Rumrennen, ein Formular wird mir ausgefüllt, die Chassinummer kontrolliert und 50 Ä£ kassiert. Diese sind nun nicht mehr quittiert aber mir ists egal, wir sind durch! Mühselig wars nicht, gedauert hats auch nicht übermässig lange. Alles in allem 75 Ä£ (13US$).
Nun geht’s also nach Israel, zurück zur westlichen Welt. Zwar war schon Ägypten zu den vorhergehenden Ländern recht entwickelt, aber krass ist’s doch. Elektronische Schranken die funktionieren, Klos die spülen und Regeln die einwandfrei zu befolgen sind. Als erstes muss Christina ins Auto klettern, damit wir zusammen an die Schranke stehen können um das Prozedere zu beginnen.
Ob wir Waffen oder waffenähnliche Sachen mitführen?
Ja, die Masseischwerter, die uns die Ägypter abgenommen haben.
Ok, das sei registriert und kein Problem, wir bekommen diese zurück, wenn alles vorbei sei.
Nun öffnet sich die Schranke und wir können einfahren.
Sicherheitspersonal hats viel, aber alles junge Leute, freundlich und begeistert von unserem Auto. Nicht begeistert sind sie aber, vor dem was auch ihnen nun bevorsteht. Wir müssen nämlich das komplette Auto ausräumen und alles durchs X-Ray schicken! Dies haben wir schon gewusst, wurde uns von verscheidener Seite bereits gesteckt.
Nagutnadann, auspacken und zwar alles. Penibel achten wir darauf, ja nichts zu vergessen, denn auch gehört haben wir von anderen die Sachen vergessen oder bewusst nicht ausgepackt haben, und danach empfindlich gebüsst wurden.
Alles wird auf die bekannten Gepäckwagen geräumt und gescannt, aber irgendwann haben auch die Sicherheitsleute genug, lassen den Rest gut sein. Wir werden inzwischen zur Passkontrolle geschickt. Da wir im Sudan, einem wohl kritischen Land, waren, müssen wir hier zur Sondersicherheitsfachfrau, wo ich erst mal nach Namen (Dominik Giger), Namen des Vaters (Marcel), Namen des Grossvaters (Werner) und Geburtsort (Olten) gefragt werde.
-Wieso haben Sie einen Provisorischen Pass?
-Der andere war voll?
-Wo wurde dieser ausgestellt?
-Nairobi
-Nairobi?
-!?! Die Hauptstadt von Kenia?
-Wieso waren Sie im Sudan?
-Durchreise von Äthiopien nach Ägypten?
-Acht Tage?
-Ja...erster Tag Ankunft, dann nach Khartoum,etc...
-Also Tourismus?
-Jawol.
-Wie heisst Ihr Hotel in Israel?
-Wir sind Camper, schlafen im Auto. Wissen Sie vielleicht, wo in Elat ein Campingplatz ist?
-Die ganze Stadt ist voller Hotels, aber Campingplätze gibt es nicht, Sie können sich wo immer Sie wollen hinstellen! Ok, Sie können drausen warten.
-Soll ich Christina reinschicken?
-Nein, warten Sie einfach.
Also warten wir 1.5 Srunden! Die Frau ist sehr geschäftig, erledigt irgendwelchen Papierkram, der sicher nichts mit uns zu tun hat. Vielleicht werden wir im Geheimen beobachtet und auf zuhnehmende Nervosität kontrolliert. Eigentlich ist uns die Warterei auch egal, wenn nurnicht unser ganzer Krempel noch auf die Wiedervereinigung mit dem Auto warten würde...
Irgendwann werden wir gefragt, ob wir den Israel-Stempel im Pass haben wollen. Dies darum, weil diverse Arabische Nationen die Einreise verweigern, wenn man einen Sichtvermerk von Israel im Pass hat. Für mich kein Problem, denn ich habe ja eh nur den Provisorischen Pass im Angebot und Christinas Pass ist auch schon wieder halb voll.
Wir kriegen die gestempelten Pässe also zurück und werden zum Customs geschickt. Hier kommt uns zu Gute, dass unser Auto immer noch die Originalkennzeichen hat und dem entsprechend ordnungsgemäss Zuhause angemeldet und versichert ist. Denn in Israel gilt die europäische Versicherungskarte!
Heisst also für uns, nur Papierkrieg, keine Spesen. Während des Cellulosekrieges dürfen wir sogar das Auto einräumen gehen und können dann die fertigen Papiere abholen kommen.
Wunderbar.
Schneller als erwartet, aber immer noch lange genug verläuft die Einräumerei. Zu bemerken ist hierzu, dass bei der ganzen Räumaktion nichts zum Vorschein kam, was zur Kategorie „Ups, das haben wir ja auch noch mit!“ gehört, was aber nicht heisst, dass darunter nicht Sachen sind, die wir nicht mehr mitnehmen würden.
Als wir fertig sind, ists dunkel. Wir gehen zurück zum Zoll die Papiere abholen und fahren hinein nach Israel.
Jetzt ists defintiv. 19.12.2011 nach 384 Tagen Afrika sind wir draussen und natürlich haben wir die Masseischwerter vergessen, müssen nochmals zurück, kriegen diese problemlos ausgehändigt.

Verkehr

Salma Camp, Kairo, Ägypten, Geoposition N29° 58.184’ E031° 10.470’, Höhe 30müM, 17.12.2011

Pyramiden
Kairo
Sphinx
Verkehr in Kairo

Letzter Vorteil der Wüstenstrasse, sie führt direkt an den Pyramiden vorbei in den Grosssiedlungsraum von Kairo, einem der verstopftesten der Welt. Hier trifft Überbevölkerung auf tiefe Sprittpreise, vereinigt Morgendämmerung mit Abenddämmerung, lässt Nachts die Sterne verschwinden. Vorerst ist es aber noch nicht soweit, erst müssen wir uns mit dem Verursacher, des wohl weltdichtesten Smogs rumschlagen, dem Verkehr, ständig zunehmend auf unserer Route, ab den neuen Satelitenmilionenstädten, die entwerder nach einem in der ägyptischen Neugeschichte wichtigen Datum oder einem Präsidenten benannt sind. Wohnsilos wie im Chinesischen Chengdu reihen sich hier aneinander bis zum Horizont meistens unten bewohnt und oben noch im Rohbau.
Irgendwann tauchen tatsächlich die Pyramiden aus dem Kunstnebel auf, maiestätisch trohnen diese über der Grossstadt und von dieser komplett eingemauert. Wir schleichen mit dem Verkehr drumrumm, denn der Eingang ist gegenüber und da ist auch unser Camp. Leider bricht irgendwann der trotz Überlastung stehts erstaunlich flüssige Verkehr komplett zusammen. Ursache dafür eine Demo der islamischen Brüderschaft, die gerade die Parlamentswahlen gewonnen hat, nur um rauszufinden, dass gewählte Parlamentarier hier nichts zu melden haben. Darum geht es auch bei den immer noch andauernden Unruhen, wegen dehnen wir Kairo urprünglich meiden wollten. Jetzt sind wir hier und keine 100 Meter vor uns findet eine Demo statt, vorbei natürlich an den medienwirksamen Pyramiden, die mit Radpanzern und besetzten Maschinengewehrständen bewacht und abgeriegelt werden. Viel Polizei hats auch im Umkreis, die das doch eher kleine Grüppchen Demonstrierender bewachen. Angst haben wir nicht, fragen uns nur wie wir hier durchkommen, nur dann und wann pressen sich Autos am Tohuwabohu vorbei, das sich im Schritttempo vorwärts bewegt.
Auf einmal quitschts, ein Geräusch von Stahl auf Stahl oder besser Blech auf Massiv. Wir halten augenblicklich, um uns auch der restliche Verkehr, vorallem ein PW der sich von Links an uns vorbei quetschen wollte. Das hat uns gerade noch gefehlt, mitten im Chaos einer Grossstadt auf der Suche nach einer neuen Regierungsform ein Blechschaden. Nicht unser erster in Afrika, aber bisher haben wir das afrikanisch gelöst sind einfach weitergefahren. Daran ist hier aber nicht zu denken, 20 Meter weiter stehen 15 Polizisten und dahinter 5 Radpanzer besetzt mit Militarios, alle habens gesehen, alle warten auf die Fortsetzung des Szenarios, die wohl einzige Altagsunterbrechung heute. Irgendwie bleiben wir aber ruhig, verlassen uns darauf, dass wohl jeder mitgekriegt hat, dass wir hier grad garnichts dafür können. Ähnliches signalisieren auch die Umstehenden, die sich sofort als Helfer verdingen wollen und versuchen uns zu entkeilen. Aber das geht weder vorwärts noch rückwärts, der PW hat sich komplett in unser Stossstange verfangen. Hilft nur noch, mit vereinter Kraft das Auto zurseite hiefen, rums, noch ein bisschen mehr Blechschaden, aber frei. Einer der Polizisten weist uns zur Seite, warten. Diskussionen starten, wir denken an all die Horrormärchen, von Reisenden die unverschuldet in Crashs verwickelt wurden und als einzig potente Geldverteiler am Set zur Kasse gebeten wurden. Da passiert was völlig Unerwartetes, ein blauer PW hält, ein Mann mit natürlicher Autorität steigt aus, kommt auf uns zu, meint, keine Panik, er werde jetzt mit dem anderen sprechen komme dann zu uns, das gehe alles in Ordnung, hats gesagt, machts, kommt zurück meint ok könnt gehen, war nicht eure Schuld.
Cool!
Wir fahren noch ein wenig weiter, parkieren vor der Sphinx und besichtigen erstmal die Pyramiden wieder wie ganz normale Touristen. Diese fehlen hier aber komplett, wieder Vorteil Dominik und Christina. Wir schlendern fast einsam übers Gelände.
Das Fehlen der Touristen wird wohl auch der Grund gewesen sein, dass wir heute ganz ohne Probleme davon gekommen sind. Tourismus ist mit Abstand Ägyptens grösster Geldautomat, fast jeder ist davon direkt oder indirekt abhängig und im Moment fehlen über 90% der Besucher verglichen zu letztem Jahr. Umso erstaunlicher ist, dass das Hustling sowohl im Tal der Könige als auch um die Pyramiden im erträglichen Rahmen ist.
5000 Jahre blicken auf uns herab, während wir durchs Gelände schlendern, Fotos mit ein bis drei Pyramiden, Sphinx mit Pyramiden, Pyramiden mit Sphinx. Die Frauenkopfkatze ist dann auch, was uns am besten gefällt, die Pyramiden selber sind von etwas weiter weg fast eindrücklicher, ihre Grösse geht wegen der Seitenverhältnisse in der Pyramidenform fast ein wenig verlohren, wenn man zu nahe steht.

Oasen-Kette

Achmed Safaricamp, Baharyia Oase, Ägypten,

Schlafplatz in der Wüste
Wüstenstrasse
Weisse Wüste
Karavane

Wer immer in Ägypten von A nach B durchs Niltal fährt, durchquert ununterbrochen besiedeltes Gebiet, ob er jetzt 5 Kilometer fährt oder 500. Umso erstaunt ist er jedes Mal, wenn er nur 5-10 Kilometer quer zum Nil fährt und sich in komplett unwirtlicher und unbewohnter Gegend wiederfindet.
Wir tun das ab Luxor, fahren die Ringstrasse durch die westlichen Oasen, eine bewährte Route für Leute, die von Ägypten mehr sehen wollen als nur den Streifen am Nil oder die Küste des Roten Meeres. Sehr praktisch auch, für Sandhasen, denn die komplett geteerte Strasse führt idealerweise tief hinein in die Wüste, von wo ein, zwei Abstecher durch besonders reizvolle Wüstenabschnitte gefahren werden können. Sandhasen sind wir nicht, haben auch keine Lust mehr auf Autoausgraben, wollen auch unsere Kupplung nicht überstrapazieren. Aber wie gesagt, die Teerstrasse tuts allemal, denn auch diese führt uns in die Weisse Wüste, die so toll sein soll oder eben durch die Oasen.
Obwohl alles Teerstrasse und wohl lückenlose Versorgung in allen Oasen, tanken wir pflichtbewusst alles voll, füllen Wasser, kaufen Vorräte, Wüste bleibt Wüste!
Zuerst fahren wir Richtung El Karga, ca. 300km durch zumeist flache Kieselwüste. Niemand da ausser manchmal ein paar Polizisten, die immer dasselbe wissen wollen Nationalität, wieviele, wohin? Swiss, two, El Karga.
Geschlafen wird in der Wüste kurz vor der ersten Oase, aber wir fühlen uns nicht ganz so wohl wie im Sudan, schauen penibel darauf, von der Strasse aus nicht gesehen zu werden.
Anderntags fahren wir erst durch die Oase von El Karga, dann wieder durch 200 km Wüste dann durch die Dakhla Oase.
Um nicht missverstanden zu werden hier die Anmerkung, dass besagte Oasen bewässertes Gebiet von bis zu 80km Ausdehnung umfassen. Tendenz zunehmend, denn die ägyptische Regierung versucht hier wohl krampfhaft neuen Siedlungsraum zu gewinnen, konzentriert sich doch die drittgrösste afrikanische Bevölkerung entlang von 1000km Nil, 83 Milionen waren es vor 2 Jahren als unser Reiseführer gedruckt wurde, inzwischen wohl 85, denn alle neun Monate nimmt die Bevölkerung um 1 Mio zu.
So bleibt leider auch die Oasenromantik auf der Strecke, keine weiten Palmenhaine im Sandmeer, nur Ackerbau, dazwischen grössere Städte. Würde man nicht 50 km später wieder durch 300 km Wüste fetzen, wäre die Frage „was wollen wir hier?“ wohl angebracht.
Wieder campen in der Wüste, die ab Dakhla wesentlich schöner ist. Auch führt das letzte Stück unserer Teerstrasse entlang dem grossen Sandmeer, liefert Dünen bis zum Horizont, haben wir auch noch nicht gesehen.
Leider hat sich bereits vor Dakhla ein nicht zu verdrängender Geruch nach Diesel im Auto ausgebreitet, deren Ursachenforschung schnell auf ein Leck im Zusatztank schliessen lässt, 100 Liter haben wir da eingefüllt.
Um wenigstens etwas zu retten, haben wir alsbald den Hahn zum Hauptank geöffnet und lassen den Treibstoff bereits in den noch nicht leeren Tank nachlaufen. Anundfürsich kein Problem, einzig der Sprittverbrauch lässt sich so nicht mehr berechnen, aber wen interessiert das schon in einem Land wo einmal Volltanken auch bei 150 Liter nur 20 Dollar kostet.
Auch ein Loch im Tank ist so nur ungemütlich, überall sonst äusserst ärgerlich und kostspielig. Sicherheitshalber tanken wir trotzdem in Dakhla nochmals voll, könnten so auch bei Totalverlust des Zusatztankes, die 800 km bis Kairo schaffen.
Aber zurück zur Strasse und den folgenden Oasen von Farafra und Baharyia. Diese sollen wieder ursprünglicher sein, und mehr Romantik versprühen, zudem folgt nach Farafra die weisse Wüste, ein Naturschauspiel mit ungewöhnlichen und schneeweisen Steinformationen. Sehenswert auf jeden Fall und dank des billigen Sprits ohne Frage ein lohnender Abstecher. Oasenfealing mag zwar Farafra noch nicht versprühen, aber die Einfahrt nach Bahariya dann endlich doch, Palmen und kleinbäuerlicher Bewässerungsfeldbau, mit heisser Quelle und Alexandertempel. Wir besuchens zu Fuss, denn hier gönnen wir uns eine Nacht in der Oase, im Camp von Achmed.

Totenkult

Rezeikey Camp, Luxor, Ägypten, Geoposition Höhe Datum

Edfu Tempel Fassade
im Edfu Tempel
the holy barge
Fassade Karnak Tempel
Säulenhalle Karnak
Obelisken von Hatschepsut und Ehemann
Hatschepsut Tempel
Kolosse

Über Edfu und dessen Tempel fahren wir nach Luxor, um das Tal der Könige und den grossen Tempel von Karnak zu besichtigen. Die ersten richtigen Reisekilometer verlaufen problemlos, der Verkehr ist zwar so chaotisch wie sonst nirgendwo, aber es gilt auch hier das für uns vorteilhafte Gesetz des Stärkeren.
Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass mich in Edfu ein Kind aus einer Gruppe heraus durchs offene Fenster hindurch anspuckt! Das hatten wir bis jetzt noch nicht. Ich steige, Wut signalisierend, voll auf die Bremse schreie zum Fenster hinaus und will zurücksetzen. Natürlich habe ich keine Ahnung wer das war und wen ich eigentlich anschreien soll, aber afrikanisch tue ich einfach so als wüst’ ich es.
Die meisten Kinder lachen nur dumm, aber ein erwachsener Ägypter, der das ganze beobachtet hat kommt auf mich zu, entschuldigt sich zutiefst für die Landesbrut, und putzt mit seinem Ärmel den Saber von der Scheibe, die das meiste abbekommen hat. Ich lasse es gut sein, will anfahren, als einer meine Türe aufreist, ich wieder in die Bremse, wieder Geschreie meinerseits, ein anderer entschuldigt sich wieder. Ich stelle mir vor, eines der Kinder zu bezahlen um den Rotzbengel zu vermöbeln, denn ich kann das wohl kaum selber machen, aber was solls, wir waren wohl auf unsere Art nicht anders.
Sowieso mag mich das ganze gar nicht richtig aufregen, anders wie in Äthiopien, vielleicht wars die Entschuldigung, vielleicht auch das fehlende Betteln. Vielleicht auch nur die Stimmung allgemein, denn wir waren gerade im Tempel zu Efdu, gebaut in der Ptolemäierzeit also ungleich jünger als Abu Simbel, jedoch bis ende 19 Jh. verdeckt dann ausgegraben und noch heute praktisch vollständig intakt!
In Luxor treffen wir wieder auf Marc, der seine Reisegruppe auf Feluccas geschickt hat hier jetzt auf sie wartet. Auch er beklagt Abnüzungserscheinungen an der Kupplung, plant diese auszubauen, und hier zu ersetzen. Wir hätten eigentlich einen Ersatz mit und verzichten vorerst auf den Aufwand, denn dazu müsste wieder das Getriebe runter, eine Arbeit die wir uns bis zuhause aufsparen wollen, denn wir haben mittlerweile die Fähre ab Israel gebucht, fahren also nicht mehr allzu weit und zudem alles Teerstrasse.
Wer in Ägypten Ferien macht, geht entweder baden oder tauchen ans Rote Meer, oder eben Steinüberbleibsel anschauen. Macht er die Steintour, bleibt er sicher für ein paar Tage in Luxor, dem Zentrum für solches mit unzähligen Kult- und Grabstätten. Wir haben zwar ein reges Interesse an Historischem, denken aber, dass mit dem Haupttempelbesuch von Karnak, dem Hatschepsuttempel und dem Tal der Könige, das Soll erfüllt ist, der Rest getrost ausgelassen werden kann. Nicht so findet unser Führer, Abdulnabi, den wir zur Information und Hustlerabwehr angagiert haben, natürlich hofft er noch den einen oder andern Tag an uns zu verdienen, denn auch hier, obwohl so zahlreich wie sonst niergends, fehlt es an Touristen und zwar massiv.
Wir lassens trotzdem gut sein.
Der Tempel zu Karnak ist zwar wirklich riesig und hat das eine oder andere amuse bouche, aber im Gegensatz zu den intakten Tempeln von Edfu und Abu Simbel, ist’s grösstenteils eine Schutthalde. Auch Hatshepsut beeindruckt mehr von aussen.
Wirklich sehenswert sind jedoch die Grabeshöhlen im Tal der Könige, etwa 60 Gräber hat’s hier, davon sind aber nur jeweils 10 offen und mit einer Tageskarte können 3 davon besichtigt werden, Abdu unser Guide wählt für uns Ramses IV, Ramses III und Ramses IX aus, dies Aufgrund der ausserordentlichen Reliefs und der jeweiligen Grabesgrösse, die bei Ramses VI über 100m ins Gestein reicht.
Einzig das erwartete Indiana Jones-fealing bleibt auf der Strecke, denn die Gräber sind sehr geräumig und komplett ausgeleuchtet.
Zur Abrundung des Tages werden wir noch zu Abdu nach Hause eingeladen, wo wir seine Familie kennenlernen und Einblick kriegen in ägyptisches Altagsdasein, das sehr stark von der Grossfamilie geprägt ist. Abdu wohnt mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern im zweiten Stock eines noch nicht fertigen Hauses. Zuunterst wohnt sein jüngerer Bruder, der andere nebenan. Nicht fertig ist das Hausarum, weil oben immer noch die Armierungseisen aus den Eckpfeilern ragen, bereit einen weitern Stock aufzunehmen, sollte es Nachwuchsbedingt nötig werden. Alles in allem haben die drei Brüder ca eine halbe Hektare Land, das einer seiner Brüder hauptbewirtet, und von dem sie sich teilversorgen.
Abdu konnte als einziger und ältester studieren ist wohl für ausserordentliche Kosten der Familie zuständig, Krankenversicherung sozusagen.

Back on Track

Adam Home, Assuan, Ägypten, Geoposition N24° 10.132’, E032° 51.980’, Höhe 87müM, 10.12.2011

Camal kann eigentlich nichts dafür, gibt sich aber alle Mühe, verspricht uns bereits am Samstag vollständig durch den Zoll zu schleusen, kommt schon mal am Freitag die Passkopien abholen, um den Prozess frühstmöglich anzureissen.
Samstag und es ist tatsächlich soweit, es kann losgehen. Jetzt erwartet uns die angeblich kompliziertest mögliche Einreise in ein Land mit Fahrzeug. Um 8.15 Uhr holt uns ein Taxi beim Hotel ab, wo wir uns für neun Tage beste Betreueung bedanken und einen Rabat von 10% kriegen. Camal hat inzwischen den Zollchef abgeholt und trifft uns am Hafen. Bereits von weitem können wir Mowag erkennen, immer noch gelb, immer noch dreckig.
Ok holt die Autos von der Barke, meint Camal, aber ein Torpolizist hat was dagegen meint wir müssten wo anders lang, Zweigespräch auf arabisch, dann Dreigespräch, dann meint Camal, ohne ein erkennbares Ergebnis im Gespräch erreicht zu haben, geht einfach. Wir gehen einfach und diesmal ists ok, jeder König seines Reiches. Fast 2 Wochen ist er praktisch nur gestanden, aber Mowag startet ohne Probleme, Motor schnurrt, nur die Kupplung ist wirklich schon ein bisschen ausgeleiert, scheint zu quitschen im unteren Drehzahlbereich. Aber das fahren tut gut, auch wenns nur bis zum Zollgebäude ist. Mit uns durch den Prozess, geht auch Marc, ein Overlandertruckfahrer.
Erster Punkt ist das gemeinsame Sitzen im Büro des Zollbeamten, der sich erst mal mit seiner Sekretärin einen Tee gönnt, und uns ein Formular zum ausfüllen gibt. Machen wir in englisch. Selber füllt er dann die arabische Übersetzung aus, und erledigt speziell lange dauernden Papierkram zu dem irgendwo mittendrinn das Carnet-stempeln gehört.
Obs so lange dauert weil der Beamte so gewissenhaft arbeitet, oder weil der Prozess ganz einfach sehr kompliziert ist, kann ich nicht mit Sicherheit nachvollziehen, sicher ist aber, dass seine offensichtliche Kurzsichtigkeit in Kombination mit der Absenz einer Lesebrille, der Geschwindigkeit nicht förderlich ist.
Irgendwann ist er in vierfacher Ausführung fertig und wir werden hinaus zu den Fahrzeugen gebeten, um zusammen mit dem Ingenieur die Fahrzeuge zu prüfen, heisst Chassinummer mit dem Carnet vergleichen. Dazu paust Camal die Ziffern 2 4 4 3 ab dem Chassi aufs Formular (Sehr schlau muss ich zugeben) liest diese dem Hern Ingenieur erst vor, 2 4 4 3, dann wiederholt der Ingenieur was auf dem Garnet steht, 2 4 4 3, Carmal wiederholt nochmals zur Sicherheit, 2 4 4 3 und der Ingenieur stellt klar, dass er auch richtig verstanden hat, 2 4 4 3. Eventuell ein sinnvoller Prozess, bei einer 12-stelligen Chassinummer, aber nicht bei 4 Ziffern, das sieht auch Carmal so beschleunigt merklich den Prozess, guter Mann.
Während das Ganze noch mit den anderen Fahrzeugen geschieht, machen Christina und ich unser Daheim startklar, bringen Ersatzrad wieder aussen an und hiefen die Reservegasflasche aufs Dach, räumen die Rucksäcke aus und erfreuen uns endlich wieder an unserem ganzen Hab und Gut.
Als der Chassiprozess abgeschlossen ist, werden wir vom Zollamt zur 600 Ä£-Kasse gebeten, ca 100 US$. Alles hoch offiziell und mit Belegen in doppelter Ausführung abgesichert. Allerdings keiner für uns, beide werden äusserst sorgfältig und Zeitintensiv zusammen mit den anderen Unterlagen abgelegt, dann werden wir freundlichst Wilkommen geheissen und der Prozess für den Zöllner ist abgeschlossen. Nicht aber für uns, wir müssen erst noch eine ägyptische Lizenz und eine Versicherung lösen und kriegen dann ein ägyptisches Nummernschild. Alles ebenfalls ein sehr langwieriger Prozess, aber hier hat Camal wie erwähnt, bereits Vorarbeit geleistet, lässt uns hier warten und verschwindet mit 250 Ä£ um das Ganze für uns zu erledigen.
Uns ists nur recht und wie versprochen steht unser Helfer um 14.00 Uhr wieder da, händigt uns ein neues Nummernschild aus, arabisch 24, sowie ein weisser Zettel, den ich nicht lesen kann, der aber wohl besagt, ich, Dominik, kann auch in Ägypten autofahren! Ja gedauert hats von 8.30 bis 14.15 Uhr aber wirklich mühsam oder nervenaufreibend wars dank Camal nicht.
Abschiednehmen heissts nun von Nolan und Stephen, mit denen wir über 3 Wochen mehr oder weniger gemeinsam gereist sind oder meistens gewartet haben, und die somit nach Chris und Bridge und natürlich Peter und Sybille unsere längsten Reisegefährten waren.
Die zwei Mopetfahrer wollen noch heute Richtung Israel aufbrechen und wennn möglich bereits morgen da einreisen!
Wir lassens langsamer angehen, fahren nur noch bis kurz nach Assuan, bringen das Auto endgültig wieder in Schuss, kontrollieren und schmieren.

Warten auf Godot

Hathor Hotel, Assuan, Ägypten, Geoposition N24 05.515 E32 53.762, Höhe 110müM, 01.12.2011

Assuan
altägyptische Kunst
Königinnentempel
Abu Simbel
Moschee

Dienstag wird’s schnell! Die Stadt ist gross, vertun kann man sich leicht. Seis auf dem Suq (Arabisch für Souveniermarkt), wo wir jeden Tag mal durchschlendern, seis beim Besichtigen von Antikem wie Abu Simbel (Sonntags).
Schnell wird auch klar, Ägypten hat eines der besten Preis-Leistungs Verhältnisse. Zwar wird man als Tourist bei jeder Gelegenheit übers Ohr gehauen, ähnlich wie in Äthiopien, aber wenn man das erst mal weiss, und sich darauf einstellt, dass der erst genannte Preis völlig überrissen ist, kann man sehr einfach auf einen akzeptablen Preis runterfeilschen, dieser ist zwar meistens immer noch doppelt so hoch, wie der Normalpreis, aber ob jetzt ein Tee 15 Rappen oder 30 kostet ist akzeptierbar. Noch einfacher, wird’s wenn man die tatsächlichen Preise kennt, zum Beispiel auf dem Gemüsemarkt (wo wir jeden Tag einkaufen, um auf dem Dach des Hotels selber zu kochen):
-Wir brauchen ein Kilo Tomaten.
-Ok, macht 5 £.
-Nein 3£ wir kennen den Preis!
-Ok.
Auf dem Suq kommt uns noch zu gute, dass im Moment obwohl Hochsaison, fast keine Touristen im Land sind. Ursache dafür die Politischen Unruhen in Kairo und Alexandria in Zusammenhang mit der Absetzung Mubaraks und dem ganzen „Arabischen Frühling“.
Hier kann gefeilscht werden was das Zeug hält. Alle vier wollen wir uns mit Paschmina und Kaschmir-Schals eindecken. Erster Preis überall ca 160 Ä£, wir lassen uns Zeit, klappern alle Stände ab (denn sie haben alle die gesuchten Halstücher und alle auch die gleichen Farben und Muster) lassen 1-2 Tage verstreichen, kaufen dann für 20 (Paschmina) und 35 (Kaschmir).
Aber eben, macht feilschen beim Shoppen noch Spass, ist es bei alltäglichen Besorgungen wie Essen in Restaurants einfach nur mühsam, denn anders wie in Marokko werden auch in Restaurants oder Fruchtsaftständen ständig überhöhte Preise verlangt, oder die Rechnugnssumme grosszügig aufgerundet zusätzlich zu den sowieso schon höheren Preisen auf englishen Menukarten. Möglichkeiten dies zu umgehen gibt’s nur zwei, Lösung eins und von uns fast jeden Abend praktiziert, selberkochen, Lösung zwei heisst McDonalds.
Sonntags besuchen wir wie bereits erwähnt den Sonnentempel von Ramses II in Abu Simbel, kosten tuts 70 Ä£ für den Bus und 95 Ä£ für den Eintritt macht 21 Dollar pro Person. AdR: in Lalibella haben wir für die Steinkirchen 25 US$ bezahlt und die zwei Sachen sind von dem her vergleichbar, dass beides aus massivem Stein gehauen wurde. Jetzt hört aber die Ähnlichkeit schon auf, denn der Abu Simbel Tempel ist ungleich schöner, filigraner ausgearbeitet und viiiiiel imposanter zudem fast 2500 Jahre älter. Aber im Gegensatz zu König Lalibella hat wohl Ramses II. auch nicht die ganze Arbeit alleine vollbracht.
Montag wird’s, noch einmal schlafen bis das Auto kommt, oder kommen soll, denn es kommt wie erwartet, die Fahrzeuge kommen erst am Donnerstag, dem 8.! Nochmals zwei Tage warten, langsam wird’s uns zuviel, den Amerikanern schon lange, denn Nolan hat einen Flug ab Haifa vom 13. Was mehr oder wehniger Ägypten ohne Sightseeing bedeutet.
Donnerstag wird’s nicht mehr ganz so schnell, Euchre haben wir bald alle bis zum Abwinken gesehn, Blog ist auch fast a Jour und für Sightseeing bleiben die Adeligengräber am anderen Nilufer, die wir mit der lokalen Fähre besichtigen wollen.
-Macht 5 £ pro person.
-Nein 1£ wir kennen den Preis.
-Ok, ok.
Farbtupfer im Wartealtag, ist die Begegnung mit unserem 10 Eurobetrübger, dem wir tatsächlich nochmals über den Weg laufen. Stephen erkennt ihn sofort, spricht ihn an, er wittert ein Geschäft, ist freundlich, aber schnell dämmerts ihm, dass wir hier sind um ein Hühnchen mit ihm zu rupfen. Sein englisch lässt rapide nach von Wort zu Wort, als wir ihm zur Erinnerung die 10-Euromasche, die er mit uns abgezogen hat vorhalten.
Nein, nein er arbeite nicht so, er sei ein Felucca-Kapitän! Beteurt wird das auch von einigen Ägyptern, die sofort um die Szene rumstehen und uns versichern wollen, das sei ihr Freund und der tue das sicher nicht.
Hör zu, wir wollen das Geld nicht zurück, aber du bist ein schlechter Mensch und Allah weiss das, er wird dich richten!
Gesagt, umgedreht und wir schwirren ohne ein weiteres Wort ab. Grösst mögliche Beleidigung in den Augen der Araber. Ah, das tut so gut, dass es mir fast 50 Ä£ wert ist.
Mittwoch wärs, wieder nur einen Tag schlafen, aber es kommt was kommen muss, die Fahrzeuge kommen erst am Samstag den 10. Für unsere Wartgenossen eine Katastrophe, 24h-Ägyptenrush vorprogramiert.
Jetzt wird’s ganz langsam erst Donnerstag, dann Freitag, dann Samstag.

Organisation Pur!

Hathor Hotel, Assuan, Ägypten, Geoposition N24 05.515 E32 53.762, Höhe 110müM, 01.12.2011

auf Fähre

16-20 Stunden braucht die Fähre für die 350 km über den Stausee, der Ägypten von Überschwemmung und Dürre bewahren soll. 16 bis 20 darum, weil (A) das Boot selber wohl nicht mehr das zuverläsigste ist, und (B) ägyptische Offizielle völlig unberechenbar agieren. In unserem Fall ist das Schiff in der Zeit, wir erreichen um ca. 9.00 Uhr den Hafen am Naser Staudamm, also nach knapp 17 Stunden Überfahrt, die als Fortsetzung der Wartezeit in Wadi Halfa betrachtet werden können. Einzige Unterschiede ist die nächtliche Vorbeifahrt an Abu Simbel, der weltberühmten Tempelanlage sowie das Überqueren des Tropic of Cancer, des Wendekreises des Krebses.
Fast untere Zeitgrenze für die Überfahrt, das kann ja nicht sein, scheinen sich die Einreisepolizisten zu sagen, reissen eine Passkontrolle und Visaverteilung an, die sich gewaschen hat. Pässe haben wir schon lange dem Kapitän abgegeben, diesen auch fürs Visa bezahlt und benötigtes Formular ausgefüllt. Jetzt kurz nach Ankunft wird das Schiff mit dem Bug voraus am Kai vertäut, es kommen besagte Grenzer an Bord und kontrollieren Pässe gemäss Passagierliste. Dafür nehmen sie in der Kantine der ersten Klasse Platz und kontrolieren alle ihnen gebrachten Pässe und hacken den entsprechenen Namen auf der Passagierliste ab, die Passagiere derweil warten in ungeordneten Schlangen auf allen möglichen Zugangswegen vor dem provisorischen Passbüro. Einfacher wärs eventuell alle Pässe einfach bei Verlassen des Schiffes der zugehörigen Person zu kontrolieren, aber Organisation muss sein.
Natürlich dauert das entsprechend und nach ca. 1.5-2 Stunden sind alle bis auf 2 oder 3 abgehakt und jetzt wird nach denen gesucht. Und nochmals und nochmals. Aber so ist eben die Bürokratie in allen arabischen Staaten, sie erfinden ein Problem aus garnichts, denken sich dann die kompiziertest mögliche Lösung dazu aus und erwarten dafür Lob und Dankbarkeit.
Wir verlieren nach anfänglichem Erwartungsdrang das Interesse, ziehen uns aufs Oberdeck zurück und spielen Euchre, ich verliere.
Um Mittag kommt Bewegung ins Schiff, es beginnt sich in der Horizontalen um den Bug zu drehen, ca 45°, gerät ins stocken. Ratlosigkeit macht sich breit auf der Brücke. Alles zurück und von vorne, diesmal mit mehr Schwung, klappt doch, das Schiff liegt am Quai.
Jetzt wird auch klar, wieso das umständliche Manöver zur Passkontrolle, denn kaum liegt das Schiff am Steg strömen, springen, rennen blaue Helfer an Bort, quetschen sich durch die wartenden Passagiere auf der Suche nach einem Gepäckstück, dessen Besitzer sich bereit erklärt, es für entsprechenden Entgelt getragen zu bekommen. Ohne Rücksicht auf Verluste, als ginge es um jede Sekunde (nach zwei Stunden Wartezeit wohlgemerkt), das Gedränge ist komplett.
Wir lassen den ersten Sturm verstreichen, drücken uns dann ebenfalls vom Schiff. Drausen wartet schon Nazars ägyptisches Gegenstück auf uns, Camal. Er hilft uns bereits durch die Gepäckkontrolle, will erste Sachen organisieren, heisst Hallo sagen beim Zollbeamten und fährt uns dann nach Assuan. Dies lassen wir gerne geschehen, wäre wohl sonst eine ziemlich kostspielige Taxifahrt geworden. Erst verhandeln wir über sein Salär, das sich dank der Tatsache, dass wir drei Parteien (Christina und ich, Nolan, Stephen) sind, auf 20 US$pro Fahrzeug runterschrauben lässt.
Wie es denn ausschaue mit der Ankunft des Autos und der Motorräder, was denn so voraussichtliche Kosten für die Einreise Ägypten wären?
Um ehrlich zu sein, meint Camal, die Fahrzeuge werden wohl nicht vor Dienstag hier sein (Jetzt ist Donnerstag). Die Kosten belaufen sich auf 850 Ägyptische Pfund exkl. sein Honorar. Naja macht dann 200 US$ für die komplette Einreise, in etwa so teuer wie Zambia oder Zimbabwe. Allerdings hat Ägypten einen unglaublichen Vorteil gegenüber allen andern Ländern in denen wir bisher waren: 1 Liter Diesel kostet 16 Rappen!
Vorerst also ohne unser trautes Heim und fahrbaren Untersatz, hängen wir in Assuan, der südlichsten Grossstadt in Ägypten.
Ein paar Tage richtig ausspannen scheint uns gar nicht so schlecht, denn als solches können die Tage in Wadi Halfa nicht unbedingt zählen. Hier in Ägypten allerdings ist eine andere Welt. Sofort wird klar, das hier ist eine Top Feriendestination. Bereits unser Hotel, obwohl Budgetbedingt untere Preisklasse, entspricht internationalem Standart, verwöhnt uns mit der ersten richtig heissen Dusche seit, na seit wann eigentlich...
Leider hat aber der Touristenrummel wie überall seine Schattenseiten, kaum stehen wir bereit zur ersten ägyptischen Falafelköstigung auf der Strasse, werden wir nonstop von irgendjemandem belästigt, der uns irgendwas andrehen will und leider komme ich nicht drumrum, zu gestehen, dass wir bereits nach 2h Ägypten übers Ohr geheuan werden.
Ein Andreher will, dass wir ihm eine 10 Euro Note wechseln, er könne das nicht als Ägypter, offizieller Kurs ist 1:8, aber er gibt sie uns für Fünfzig. Machen wir, kein Problem. Aber kaum hat er die Fünfzig will er auf einmal 70! Wir winken ab, Christina nimmt die Note zurück und wir wenden uns ab.
Später, beim Essen bemerken wir, dass der Satan uns 50 Piaster zurückgegeben hat! Nagut kein grosser Verlust aber es wurmt uns, darauf reingefallen zu sein. Wir sind ja noch ein paar Tage da und wer weiss vielleicht sehen wir den nochmal und falls nicht, haben wir 50 Ä£ bezahlt, dass er uns von jetzt an in Ruhe lässt.

Euchre!

Kilopatra Hotel, Wadi Halfa, Sudan,Geopositon N21 47.979 E31 21.023, Höhe 188m 27.11.2011

Spielen vor Hotel

Was immer man über Wadi Halfa hört, eines trifft ganz bestimmt zu, staubig ists hier. Verloren und zersträut liegt die Siedlung am südlichen Ende des Lake Naser. Grösser als erwartet, aber total verschlafen, wenn nicht grad eine Fähre anlegt oder bald ablegt, was meistens gleichzeitig der Fall ist. Nichts ist hier los, nur Strassenlokale gibt’s genügend, und wir lernen sie alle kennen. Bereits Sonntags treffen wir hier ein in der von Nazar, dem Fährenorganisator, geschürten Hoffnung, unser Auto bereits heute verladen zu können. Eine Hoffnung, die leider schneller stirbt als eine Eintagesfliege nach Sonnenuntergang. Nein es habe kein Platz mehr auf dem Schiff, quartiert euch ein beim Hotel Kilopatra, ich melde mich.
Also fahren wir zu besagtem Hotel, das wohl eigentlich Kleopatra heissen soll, das beste auf dem Platz sein soll und nun für drei Tage unser Zuhause (oder zu mindest dessen Parkplatz) werden wird, am Arsch der Welt. Genau so eintönig wie die Landschaft und die roten Quadrathäuser ist auch die Akkustik. Ab und zu unterbrochen vom Muezzin, plärrt ein Lautsprecher ununterbrochen etwas unverständliches gebetsmühlenartig durch die Marktplatzgegend, in der wir unsere Zeit ermorden. Während wir das tun, haben wir aber genügend solcher um schlussendlich die Worte zu entziffern und als Fahrtroute eines Kleinbusses zu identifizeren:
Dongola-Karima-Atbara-Al Khartoooom!
Dongola-Karima-Atbara-Al Khartoooom!
Dongola-Karima-Atbara-Al Khartoooom!
Undsoweiterundsofort, glücklicherweise sind wir nicht alleine hier, sondern wieder mit den zwei Amerikanern, die unser Set kompletieren und es uns erlauben Karten zu spielen. Erst lernen alle Hornochsen, dann Jassen, dann Euchre (sprich iuker), das Amerikanische Gegenstück dazu.
Dongola-Karima-Atbara-Al Khartoooom!
Dongola-Karima-Atbara-Al Khartoooom!
Meine Gewinnquote ist miserabel, aber was solls, die Zeit verstreicht auch beim verlieren. Nazar hat unsere Nummer, verspricht uns anzurufen, tuts aber nicht, rufen halt wir ihn an, einfach um uns in Erinnerung zu rufen. Irgendwann Montags kommt er Pässe abholen, und bringt sie zu einer anderen Zeit zurück, holt die Carnets. Beides schürt Hoffnungen, vergebens, wahrscheinlich auch beides sinnlos und nur dazu da um sein Engagement durch uns zu rechtfertigen.
Irgendwann Dientags trifft die Fähre aus Assuan ein, haucht der Stadt das konzentrierte Leben einer ganzen Woche ein, nur damit diese es innert 36 Stunden, zwischen Fährankunft und Abfahrt, verschwenden kann. Für uns ändert sich vorerst nichts.
Dongola-Karima-Atbara-Al Khartoooom!
Dongola-Karima-Atbara-Al Khartoooom!
Wir gehören zum zweiten Ereignis. Einzig das Hotel ist jetzt ganz besetzt und die Klos noch verschissener als sonst. Wenigstens einige Afrikafahrer sind eingetroffen, bringen Infos und Ratschläge von drüben und Sim-Karten zum tauschen.
Aber die Begegnungen haben sich verändert, Leute nach Süden sind hier am Anfang des spannenden Teils und voller Euphorie. Wir dagegen ganz klar auf dem Nachhauseweg, spielen weiter Karten.
Dongola-Karima-Atbara-Al Khartoooom!
Dongola-Karima-Atbara-Al Khartoooom!
Dongola-Karima-Atbara-Al Khartoooom!
Am Mittwoch dann ist es soweit, die Passagierfähre fährt nach Norden. Um 14.00 Uhr werden wir von Nazar gerufen und zum Hafen eskortiert. Dort parken wir das Auto am Quai und werden erst mal zur Passkontrolle geschickt, wo unser Helfer uns am vorderen Ende der Schlange platziert. Wir geben das Formular ab,werden gestempelt, natürlich kostet es nichts.
Kurz darauf kommt ein Zollbeamter macht eine afrikanisch gründliche Fahrzeugkontrolle (3 min) und wir kriegen das ebenfalls gestemplete Carnet zurück.
Jetzt heissts Abschied nehmen vom Mowag, denn dieser bleibt vorerst hier, wird dann von Nazar auf die Autobarke gefahren, sobald diese da ist.
Nazar begleitet uns noch zum Schiff, kassiert das abgemachte Honorar, wir verabscheiden ihn freundlich. Ob die Zollabvertigung hier im Sudan auch ohne ihn geht? Natürlich, keine Frage, alle Formulare sind englisch und können in englisch ausgefüllt werden. Ob Nazar nutzlos ist? Nein sicher nicht, denn er muss ja unser Auto auf die Fähre fahren und warten können wir hier leider nicht, denn unser Visa läuft ja bekanntlich vor der nächsten Fähre ab.
Pünktlich um 16.00 Uhr legt die Fähre nach Assuan (Ägypten) ab.

No english!

Kilopatra Hotel, Wadi Halfa, Sudan,Geopositon N21 47.979 E31 21.023, Höhe 188m 27.11.2011

Nil am 3rd cataract
Goldgräber
Moschee am Nil
Wüstendorf am Nil
Mowi vor Pyramiden

Unsere Route sieht vor ab Khartoum nach Atbara zu fahren, dann über Karima und Dongola Richtung Wadi Halfa. Wir schaffens wegen der fortgeschrittenen Tageszeit nur knapp hundert Kilometer weit aus Khartoum, sind aber froh von da weg zu sein. Polizei Kontrolle hatten wir nur eine, die wollte aber tatsächlich unsere Daten sammeln, haben uns einen Stoss Travelpermits unter die Nase gehalten, nach einer Kopie gefragt. Da wir wie gesagt kein Travelpermit haben, befolgen wir die Taktik: Guten Tag, wie geht’s denn so? Tut uns leid wir verstehen leider kein englisch. Sudan sei super. Copy? Was ist das.
Aber alle sind gut drauf und als wir fragend eine Passkopie hinhalten, wird die dankend entgegengenommen. Danach fahren wir nicht mehr sehr weit, hinein in eine Piste, wo wir etwas abseits der Hauptstrasse campieren. Abends fahren noch 2-3 Autos oder Trucks vorbei, aber man hält nicht mal an, hupt nur, winkt. Wir geniesens allein in der Wüste zu sein, der Sternenhimmel ist fantastisch, nicht aber die Kälte, die uns früh ins Bett treibt, aber dafür lange schlafen lässt. Geweckt werden wir von einem Kleinlaster, der wieder nicht anhält, nur vorbeifährt. Sudan ist super,auf jeden Fall die Leute, leider nicht die Offiziellen, denn kaum sind wir wieder unterwegs kommt der nächste Polizeistopp.
Wo wollt ihr hin? Leider kein Englisch, wir sind aus der Schweiz Europa. Travelpermit?
Er zeigt mir eins, ich zeige die Pässe, deute auf den Registrierungskleber.
Wir wollen nach Wadi Halfa, Fähre, Ägypten. Ok meint der Gute! Go straith, no Pyramids! Tomorrow Wadi Halfa good. After tomorrow, Wadi Halfa problem! Pyramids Problem.
Ok meinen wir und Tschüss.
Kurz darauf fahren wir an den Pyramiden von Merowe vorbei, unsere ersten! Leider sind wir aber ein bischen unschlüssig, haben auch ein mulmiges Gefühl, entscheiden uns gegen ein Halten und machen Photos von der Strasse. Es kommen ja noch weiter Pyramiden und sobald wir bei Atbara durch sind, rechen wir auch nicht mehr damit ernsthafte Probleme wegen des fehlenden Travelpermits zu bekommen. Tatsächlich haben wir auch keine Probleme mehr an diesem Tag, schaffens fast bis zu den zweiten Pyramiden in Karima. Weitere Polizeikontrollen sind so freundlich, das wir auch wieder englisch können und Passkopien verteilen.
Wieder campen in der Wüste! Diesmal fahren wir mangels Piste nicht alzu weit ins Gelände, bekommen prompt die Quittung, Polizistenbesuch auf dem Motorad. Kein Englisch, aber das macht auch keinen Unterscheid, denn der gute kanns auch nicht, kriegt eine Kopie unserer Pässe, bettelt nach einer Zigarette, aber wir sind Nichtraucher. Kein Problem. Wir geniesen die Nacht.
Die zweiten Pyramiden sind noch näher an der Strasse und diese schauen wir uns tatsächlich auch an. Wobei sich die Besichtigungszeit so oder so in Grenzen hält. Photo der Pyramiden, gegen die Sonne, mit der Sonne, mit Mowag, mit Christina mit mir. Rein kann man nicht, Beschriftung gibt’s keine.
Die Fahrt durch den Nordsudan selber ist recht ansprechend. Der Nil macht hier ein riesiges S, wir fahren erst entlang dem Fluss nach Norden bis fast Atbara, schneiden dann die erste Kurve, fahren 300 km durch die Bayuda Wüste. Nähe Karima kreuzen wir den Nil, der für einmal nach Süden fliesst, um dann durch die Numibsche Wüste nach Dongola zu fahren, wieder 300 km Sand mit Geröll, alles auf bester Chinesischer Strasse wohlgemerkt.
Ab hier geht’s wieder mehr oder weniger dem Nil entlang, wie er wohl ursprünglicher nicht sein kann. Links und rechts Wüste, zerschnitten von himmelblauem Wasser, gesäumt von Palmen, gespränkelt mit Siedlungen und dazugehörigen Äckern, sehr idyllisch und eigentlich ist der Sudan hier genau so wie ich mir Ägypten vorgestellt habe.
Unterbrochen wird das Märchenland, wenn die Strasse mal etwas in die Wüste reinsticht, und zwar von etwas ganz Speziellem, etwas ,dass es in der jüngeren Geschichte schon des öfteren gegeben hat, aber doch von gestern ist, nämlich einem Goldrausch. Wahrscheinlich haben die Chinesen hier beim Strassenbau etwas gefunden, was den Gerüchten nach Gold gewesen sein könnte, und so versuchen nun Sudanesen aus dem ganzen Land hier ihr Glück, waschen Unmengen von Sand auf der Suche nach Gold in ehemals provisorischen Hüttensiedlungen und dazugehörigen Teebars, dem islamischen Gegenstück zum Wildwestsaloon.

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Travelpermit

Irgendwo nördlich von Khartoum, Sudan,Geoposition N16 29.548 E33 08.622, Höhe 384müM, 24.11.2011

Schlafplatz in der Wüste

Um nach Ägypten zu kommen müssen wir von Wadi Halfa aus eine Fähre nehmen, die uns 400 km über den Nasser Stausee den Nil Runterbringt,die Landverbindung ist gesperrt. Diese Fähre fährt regelmässig einmal pro Woche, immer Donnerstag, hat 18 Stunden. Leider nicht gleichregelmässig verkehrt die Fahrzeugfähre. Diese hat 2-3 Tage und verkehrt manchmal vor manchmal nach der Personenfähre. Die Lösung für das ungleichmässige Übersetzten sieht in Assuan ein Wartezeit vor, bis man das Auto verladen hat und dann mit der Personenfähre übersetzen kann. In Wadi Halfa übergibt man die Schlüssel einem Mittelsmann und besteigt die Personenfähre. Der Mittelsmann fährt das Auto auf die Fähre und schickt es einem nach. Ganz koscher scheint uns und wohl jedemann die Sache nicht zu sein, aber alle machen das so Pobleme habe ich jenseits von imensen Wartezeiten noch keine vernommen. Organiseren kann man das Ganze inklusive Ausreise und Fährticket über Magdi den Cheffixer. Wir treffen den Mann, der sehr vertrauenswürdig rüberkommt, in Khartoum, und verhandeln hier auch alle Preise.
231 Dollar kostet unser Auto, das glücklicherweise knapp unter 5m ist.
17 Dollar kostet die Porttax
7 Dollar das Ausstempeln pro Person
40 Dollar seine Hilfe, die wir noch auf 30 runterhandeln.
41 Dollar kostet das Fährticket pro Person, erster Klasse, heisst mit Kabine.
Zusammen macht das 374 US$ nicht grad billig, aber wenn man bedenkt, dass es eben mehr als nur eine Flussfähre von 15 Minuten ist, sondern über Nacht und 400km geht und zudem noch sämtliche Porttaxen etc.(mindestens auf Sudanesischer Seite) enthalten sind geht’s eigentlich ok. An 7 Dollar pro Person Ausstempeln glaubt keiner von uns, aber ich habs in meinem Kopf schon als 44 US$ dafür, dass der Fixer uns und unser Auto mag und entsprechend gut behandelt, abgebucht.
Zudem haben wir ehrlich gesagt mit etwa 450 bis 550 US$ gerechnet und sind nun sowieso positiv drauf. Handschlag, Kaffee und freundliches Geplauder inklusive Gratisinformation was es wo zu besichtigen gibt.
Alles Richtung Norden und jawol da fahren wir durch!
Ja ob wir denn ein Travelpermit hätten?
Äh, ein Was? Nein hätten wir nicht. Ja das sei ganz einfach das gäbs beim Tourismusministerium, Passkopie etc. Gratis, gehe schnell.
Da es mittlerweile bereits wieder kurz vor Mittag ist, wollen wir uns aufteilen, die Töfffahrer fahren Richtung Ministerium und wir holen die Tickets für die Fähre, die es bei der Eisenbahn gäbe.
Der Weg ist einfach wir sind nach 20 min da, fragen nach entsprechendem Schalter, zeigen die Notiz von Magdi, der unser Kommen auch bereits angekündigt hat, werden bevorzugt behandelt. Haben die Tickets für alle vier bereits zur Mittagszeit im Sack.
Jetzt heissts warten auf Nolan und Stephen. Es wir 13.00 Uhr. 14.00Uhr. Anlaufende SMS-Komunikation verspricht nichts Gutes, aber die zwei bleiben drann. 15.00 Uhr. 16.00 Uhr immer noch nichts. Wir beschleissen abzubrechen und wollen die entnervten Jungs an der Nielbrücke treffen.
Jaja einfach! Gar nichts ist einfach. Zuerst seien sie zu besagtem Tourismussministerium gefahren, da hätte gar niemand eine Ahnung gehabt, man hätte sie wieder zum selben Ort wo wir auch gestern gewesen seien geschickt. Auch da keine Chance, glücklicherweise habe eine Frau, die arabisch könne sich ihnen erbarmt und wäre mit ihnen wieder zum Tourismus ministerium gefahren, hätte den Prozess angerissen. Nun gut, Formulare ausfüllen, alles wie gehabt, abgeben. Wo sei denn der Garant?
WAS?
Ja, es brauche einen sudanesischen Garanten.
Wir haben alle nur kopfschütteln übrig, beschliessen einfach ohne Permit Richtung Norden zu fahren und uns dumm zu stellen. Sollte jemand ernsthafte Schwierigkeiten machen, müssten wir halt nach Khartoum zurück und den direkten Weg fahren, dafür ist kein Travelpermit nötig. Vielleicht ist das der Preis für nicht vorhandene Bettelei und Abzocke, dass man sich in untouristischen Ländern mit komplizierten Bewilligungsverfahren abzumühen hat, denn hier ist Tourismus ein Fremdwort, dafür das Verhalten der Menschen noch original.
Christina und ich fahren bereits heute los, auch wenn’s schon fast 17.00 Uhr ist. Im Sudan kein Problem, denn wenns Dunkel wird, fährt mann einfach ab der Strasse ca 200m ins Gelände, denn hier wohnt niemand und wenn doch, dann wohnt er am Nil.

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Alien Registration!

Blue Nile Camp, Khartoum, Sudan, Geoposition N15 36.694 E32 32.048, Höhe 406müM, 23.11.2011

Die Anzeichen mehren sich, dass unsere Reise sich aufs Ende zubewegt. Bereits befinden wir uns mit N15° wieder auf der selben Breite wie die Zebrabar und somit nördlich von Dakar und Bamako. Endgültig vervollständigen wir bereits in Khartoum, der Hauptstadt des Sudan, die Flussrundreise mit den vier grossen Wasserwegen des Kontinents, Niger in Westafrika, Kongo in Zentralafrika, Zambezi im südlichen Afrika und nun dem Nil in Nordostafrika. Zwar sind wir mit dem Viktoriasee, dem Lake Tana und dem Blauen Nil bereits auf Gewässer des Nilkomlexes gestossen, aber hier vereinen sich der Weisse und der Blaue Nil zum Nil und dem gewaltigen, berühmten Strom, der die ersten Hochkulturen hervorgebracht hat und dem Nilkrokodil und Nilpferd (zumindest im ugst. Deutsch) als Namensgeber Pate gestanden hat.
Al Khartoum, die Stadt am Zusammenfluss, erreichen wir in zwei Tagen, in denen wir es geniesen, von allen freundlich willkommen geheissen zu werden, in Strassenrestaurants zu essen, ohne um einen gerechten Preis kämpfen zu müssen. Keine (naja fast keine) Bettler.
Planmässig haben wir in Khartoum vor, unser Visa, das leider nur für 14 Tage gültig ist zu verlängern, und die obligatorische Registrierung zu erledigen.
Für die Registrierung haben wir im GPS 2 Punkte eingetragen, beide nicht weit vom Blue Nile Camp, wo wir untergekommen sind. Wir wollens zu Fuss machen, erreichen den ersten Punkt nach 20 Minuten, fragen einen Polizisten wo’s zur Registrierung geht. Bis hier habern wir gedacht easypeasy wird wohl keine grosse Sache sein, im schlimmsten Fall warten, dann die 130 Pfund berappen.
Aber leider ists halt doch nicht wie gedacht, als Vorahnung zu dem was jetzt kommt, hat der Polizist keine Ahnung, schickt uns auf arabisch irgendwohin, wir hören gar nicht zu, denken was soll’s, auf zum zweiten Punkt im GPS. Dort hats erst mal gar nichts, erst nach rumfragen unter Passanten werden wir auf ein kleines Schild mit englischer Beschriftung „Alien Registration“ verwiesen, treten ins nicht minder unscheinbare Gebäude. Vier Polizisten an einem Tisch begrüssen uns, wir grüssen zurück, fragen nach dem Wohlbefinden und der Registrierung.
Nein leider sei das nicht mehr hier wir müssen an einen anderen Ort, den uns die Beamten aufgrund von Landmarken, die wir nicht kennen, zu erklären versuchen.
Keine Chance! Wir fragen nach einer schriftlichen Beschreibung, die wir einem Taxifahrer geben können, der uns dann dahin bringt.
Gute Idee meinen die Beamten, machen sich auf ein Kunstwerk zu zeichnen und mit entsprechenden Hyroglyphen zu versehen.
Wir bedanken, wünschen einen schönen Tag und denken das Problem des Tages überstanden zu haben, zeigen den Zetel dem erstbesten Taxifahrer, der daraus überraschenderweise genau keine brauchbaren Informationen gewinnen kann.
Doch nicht vorbei! Wir fragen den zweiten, der kanns besser, will 10 Pfund. Wir haben überhaupt keine Ahnung wo und wie weit, aber handeln den Preis aus Prinzip auf 7 Pfund runter. Natürlich ist auch dieser Preis vollkomen überhöht, denn es ist eigentlich nur um die Ecke! Vorbei mit dem Aberglaube, im Sudan wird man nicht übers Ohr gehauen, aber vielleicht sinds auch nur die Taxifahrer, die überall entsprechende Reputationen haben.
Wenigstens sind wir jetzt da, werden ins Büro des diensthabenden Chefbeamten gerufen, der überraschenderweise eine Sie ist, und erklären nach obligatorischem „How are you“ unser Anliegen.
Erstaunlicherweise hat hier im zuständigen Büro aber auch niemand eine Ahnung, um was es eigentlich geht! Aber ein freundlicher Herr, der genauso wie wir hier Beamtenkram zu erledigen versucht, erbarmt sich unser, gibt Formulare heraus meint ausfüllen, macht uns benötigte Passkopien und hört sich auch unser Anliegen mit der Visaverlängerung an.
Es folgt eine Diskussion mit der Chefbeamtin.
OK, vielleicht sollten wir die Registrierung nicht hier machen, sondern zum Hauptbüro gehen, dort könne der Chefchefbeamte uns die Registrierung machen und einfachst die benötigten drei-fünf Tage geben.
Wir lassen uns Adresse des Büros und Namen des Chefchefs aufschreiben und flitzen mit dem nächsten Taxi dahin. Dieses kostet 20 Pfund und gebrannt wie wir sind bemühen wir uns stärker bringen aber den Preis nicht unter 18 Pfund. Tatsächlich ist es diesmal auch unverhältnissmässig weiter und wir geben dem wohl ehrlichen Mann die 20 Pfund.
Angekommen sind wir nun in einem grösseren Bürogebäude, das übersäht ist mit irgendwelchen Schaltern, wo allerlei für Ausländer nötige Registrierungen und Genehmigungen gemacht werden können.
Also los geht’s, wir versuchen den Chefchefbeamten aufzutreiben scheitern aber vorerst, werden abgespeist. Christina bleibt hartnäckig, will den Mann sehen, der Glückseligkeit zu versprechen scheint. Leider nichts. Dummerweise weiss der Abspeiser sogar zu behaupten, dass es zu einer Registrierung zudem einen Garanten braucht mit Sudanesischem Ausweis und Adresse!
Na aber hallo wo sollen wir den den hernehmen?
Das mache normalerweise das Hotel wo man residiere, wir stehen aber im Jachtklub und da gebe es genau gar nichts!
Wir pfeifen vorerst auf die Visaverlängerung und den Garanten, versuchen das Prozedere ohne die entsprechenden Unterlagen fortzusetzen. Zuerst mal müssen wir eine Marke für 10 Pfund kaufen, die auf unser Formular geklebt wird. Dann wird das ganze abgegeben, wo die Unterlagen (Formular Passfoto, Passkopie etc.) auf Vollständigkeit geprüft werden. Natürlich sind unsere nicht vollständig werden aussortiert und an eine Frau, die hinter uns an der Wand steht, übergeben. Diese meint keine Bange, es komme bald jemand, der uns weiterhelfe. Natürlich ist sofort klar, dass dieser jemand Geld kosten wird, aber mittlerweile ist auch 13.30Uhr und wir sind seit 8.30 Uhr unterwegs.
Inzwischen sind auch Nolan und Stephen eingetroffen, die wir am Tag zuvor aus den Augen verloren haben und die bei einem Freund residieren. Wir erklären den beiden den Stand unserer Bemühungen, und sie springen auf unseren Zug auf, übergeben ebenfalls das Prozedere dem mittlerweile eingetroffenen älteren Herrn, der für uns garantieren will. Kostenpunkt, 100 SDG für den Prozess und 50 für ihn pro Person. Macht dann gesammt 160 pro Person, Taxikosten nicht mitgerechnet. Wir wissen von anderen Reisenden, dass es angeblich am Flughafen auch gehen soll, da nur 130 kosten und ohne Garanten gehen soll, aber wahrscheinlich wird’s der Taxipreis auffressen.
Wir ringen dem Garanten noch das Versprechen ab, uns nachher auch mit der Visaverlängerung behilflich zu sein und bezahlen. Nun dauerts noch eine Stunde, und wir kriegen die Pässe mit Registraturvermerk zurück.
Natürlich will der Garant nun nichts mehr wissen von der Visaverlängerung, meint wegen drei-fünf Tagen sei das kein Problem, da sage niemand was.
Nagut meine ich, klopfe dem Grossvater auf die Schultern, und falls doch, berufen wir uns auf Ihn, unseren Garanten, die Beamten hätten ja jetzt seine Details!
Alle findens lustig nur er nicht!

Äthiopien – Fazit

Ich habe es versucht. Mit aller Kraft und immer wieder habe ich es versucht. Aber es wollte mir einfach nicht gelingen. Für Äthiopien wird es leider kein allzu gutes Fazit geben. Dabei wäre es doch eigentlich so schön. Grünste Hügel in atemberauben Höhen, steinige Pässe, zum ersten Mal seit langem wieder Kulturelles mit den in Stein gehauenen Kirchen von Lalibella. Sehr beeindruckend! Aber wie soll man das alles geniessen, wenn man sich ständig über die herumlungernden Leute aufregen muss, vorallem junge Männer in bester Kleidung und Kinder, die den ganzen Tag nichts besseres zu tun wissen, als am Strassenrand zu sitzen und die Handfläche nach oben auszustrecken, wenn ein Touristenauto vorbeifährt. Dabei könnte so viel getan werden und man will diese Leute einfach nur schütteln und ohrfeigen für ihre Faulheit und Dreistigkeit. Und dann überall, wo man hinkommt, die Touristenpreise, nichts bekommt man zum „Afrikapreis“. Fragt sich der Lesende jetzt: ist das nicht überall so in Afrika? Ja, manchmal schon, aber hier ist Afrika hoch 3! Die Leute sind einfach zu agressiv und die Steine werfenden Kinder geben noch eins oben drauf.
Wiedermal bemerken wir, dass da, wo die Bettelei am schlimmsten ist, auch am meisten Entwicklungshilfe geleistet wird. Auch wenn vielerort sicher gut gemeint, bringt die Hilfe einfach nichts ausser Bettelei, Korruption und Bevölkerungszuwachs. Denn Hilfe an sich ist kontraproduktiv. Menschen sind einfach so, dass sie den Eigenantrieb verlieren, wenn ihnen zu viel vorgekaut wird. Und deshalb wird sich Entwicklungshilfe immer nur im Kreis drehen, vielerorts die Situation sogar verschlechtern. Wahre Welt, grausame Welt.
Wenigstens ist das Brot super und ich geniesse auch den Injera-Fladen mit den verschiedenen Fleischsaucen, Domi ist er leider zu sauer.

Zurück im arabischen Raum

Nähe Gedaref, Sudan, Geoposition N14° 02.715’ E035° 13.781’, Höhe 535MüM, 21.11.2011

Strasse im Sudan
sudanesisches Strassenessen

Bereits der Weg nach Lalibella ist atemberaubend. Erst entlang dem Grabenabbruch, dann auf bis zu 3400müM übers äthiopische Hochland Plateau. Hinunter durch erodiertes Terrain, ähnlich einem Canyon nach Lallibella. Danach wieder auf’s Plateau entlang einer Kante mit 1500m Abbruchtiefe und schliesslich hinunter in den Topf von Lake Tana, dem Wasserreservoir des blauen Nils. Alles in allem etwas vom coolsten, auch was die Temperatur betrifft.
Weiterer Farbtupfer im Reisealtag sind Stephen und Nolan, zwei Amerikaner, die wir zum ersten mal in Nairobi getroffen haben, in Addis wieder kreuzen, und die jetzt mehr oder weniger mit uns nach Wadi Halfa fahren.
Zwar fahren wir nicht hintereinander her, was auch eher unpraktisch wäre, da die zwei mit Motorrädern unterwegs sind, aber ähnlich wie in Zentralafrika gibt’s ab hier bis Wadi Halfa nur eine nennenswerte Route, ausserhalb derer es nichts zu besichtigen gibt. Zudem beinhaltet die Schifffahrt in Prolog und Epilog unbestimmte Wartezeiten, die besser in grösseren Gruppen zu töten sind.
Ausgang Äthiopien ist nochmals landschaftlich sehr ansprechend hinunter vom Lake Tana (ca. 2100MüM) in die Ebene des Sudan (300-600MüM).
Wir überqueren die Grenze bei Galabat, sind voller Vorfreude, denn wir haben von der Bevölkerung im Wüstenstaat nur gutes gehört und die Nase von Äthiopien wie bereits mehrfach angedeutet gestrichen voll. Falls wir dies mittlerweile vergessen hätten, brächte es uns der künstliche Grenztroubel wieder näher. Diesem haben wir uns zwangsläufig zu stellen, denn jetzt ist Mittag und alles geschlossen. Etliche Hilfsbereite wollen uns aber gegen kleines Entgelt durchhelfen, wir winken ab meinen keine Eile, warten.
Da es im Sudan keine Geldautomaten gibt, wechseln wir hier schon mal Geld 1:5 für den Euro und 5:1 Äthiopische Birr, diese haben wir uns extra aufgehoben um Dollar zu sparen für die Fährkosten.
Der Grenzübertritt selber ist stressfrei. Erst das Carnet, das wir noch gar nicht eingestempelt haben. Natürlich wills der Beamte aber trozdrem ausstempeln, braucht dazu sogar noch eine Kopie der Versicherung, die ich für fünf Birr im nahegelegenen Shop machen kann. Sei völlig überrissen meine ich zum Grenzer dieser bestätigt erklärt aber die Kosten mit nicht vorhandenem Stromnetz.
Dass die Steckdosenelektrizität es noch nicht bis Galabat geschafft hat, bestätigt nicht nur der Kopiermann, der erst den Generator anwerfen muss um seinem Handwerk nachzugehen, sondern auch die Passkontrolle. Diese befindet sich in einer neueren Containerbude, ausgerüstet mit einer Schreibtischfront aus fünf Arbeitsplätzen komplett ausgestattet mit Computer, Augen- und Fingerabdruckscanner in ebenfalls fünffacher Ausführung. Aber eben, Strom hats keinen und so werden wir afrikanisch üblich eben doch von Hand ins Buch eingetragen. Dauern tuts nicht lange und Äthiopien ist hinter uns.
Einreise Sudan und definitiver Übertritt zurück in den arabischen Raum, jetzt heissts wieder Salemaleikum und Shukran. Eine gewisse Nervosität haben wir schon, denn arabische Grenzen sind die kompliziertesten, auch wenn sich meistens die offizielle Korruption in Grenzen hält. Nicht in Grenzen halten sich zumeist horrende Honorarforderungen von unentbehrlichen Übersetzern und wir haben echt kein überflüssiges Budget zu verschwenden. Angenehm überrascht sind wir, als der Zettel in Arabisch-Englisch daher kommt, englisch ausgefüllt werden kann und problemlos von den Polizisten ins arabische übersetzt wird.
Feundlich schicken uns die Beamten zum Zoll ein paar Häuser weiter. Wir laufen dahin, lassen Mowag hier stehen.
Angekommen und ins Büro gebeten wird uns erst mal ein Taxformular ausgefüllt, überreicht und dann werden wir damit in ein Tresorzimmer gebeten, wo wir ein Entgelt zu entrichten haben von 13.etwas Sudanesichen Pfund. Dies ist etwa 10 Pfund billiger, als wir gemäss aufgelesenen Infos zu berappen geglaubt haben, auch gut.
Später finden wir im Gespräch mit den zwei Amis heraus, dass diese auch 13.etwas bezahlt haben, und wir wohl als Motorräder verbucht wurden. Nie schlecht, nicht mit dem grossen Auto vorzufahren.
Zuguterletzt werden wir noch zum Sicherheitsmann geschickt, wo wir eingetragen werden. Alles in allem einfache Grenze. Bis jetzt, denn wir müssen uns innert drei Tagen in Kharthoum melden und auf der Polizei registrieren lassen.
Wie immer geniessen wir freudiges Erwarten bei der Einfahrt in ein neues Land, das in grenzenlose Euphorie umschlägt, als wir für knapp 160 SDG (40 US$) 100 Liter Diesel tanken.

Der Meisselkönig

Seven Olives Hotel, Lalibella, Äthiopien, Geoposition N12 02.110 E39 02.819, Höhe 2506m 19.11.2011

hochland
kirche aus stein
nochmals
Bettelkinder

Donnerstag, den 17.11, machen wir uns auf nach Lalibella, um die aus Stein gehauenen Kirchen aus dem 13jh. zu besichtigen, zu erreichen aus Addis in 2-3 Tagen, danach wollen wir direkt nach Gonder und in den Sudan. Ausgelassen wird leider die Danakill Depression, die ganz toll, aber leider nicht oder nur ganz mühsam im eigenen Auto zu machen ist und die Stele von Axum, die den Aufbewahrungsort der Bundeslade markieren soll (Naja, dass die Bundeslade wirklich da sein soll, kann nur der Wächter bezeugen, denn nur ihm ist es erlaubt den Raum zu betreten. Da dessen Einkommensgrundlage ein Vorhandensein des berühmten Gegenstandes voraussetzt, kann er leider nicht als zuverlässige Quelle dienen).
Grund zur Eile ist unser Verlangen, die Fähre von Wadi Halfa nach Assuan am 30. November zu erreichen und so mindestens die Chance offen zu haben die Schweiz noch vor dem letzten Schnee zu erreichen. Auch erwähnenswert: jetzt sind wir seit über einem Jahr unterwegs!
Aber zurück zu Lalibella, das eigentlich Jerusalem heissen sollte. Denn der König des damaligen Äthiopien, das bereits seit Urzeiten christlich ist (also seit ungefähr etwas nach 0BC oder 0AD), gennant Lalibella war in Kanaan dem gelobten Land, damals wohl als Judäa bekannt und hat sich zur Aufgabe gemacht zuhause ein Heiligtum zu erschaffen, dass das damalige Jerusalem mit seinen sakrosankten Orten nachbilden soll, inklusive Tempelberg, Kreuzigungsberg, Betlehem, etc.
Innert 23 Jahren hat er so 11 Kirchen ganz alleine aus dem Sten gehauen, nur mit der Hilfe von Engeln. Also eigentlich hat er das nicht alleine gemacht sondern eine hat seine Frau rausgespitzt, ebenfalls mit der Hilfe von Engeln.
Ganz genau genommen, haben die zwei auch nicht 11 Kirchen erschaffen sondern auch Palast, Gefängnis etc. Da das Ganze aber heute, als Unesco Weltkulturerbe, das Einkommen von Sage und Schreibe 800 Priestern und Dekanen(für 11 Kirchen!)sichern soll, haben diese, um ein Monopol auf touristische Einnahmen zu haben, einfach alles zu Kirchen erklärt.
Die heute heiligste Städte des äthiopisch orthodoxen Christentums ist sehr imposant und auch gut zu besichtigen. Wir entschliesen uns einen Führer zu nehmen, um das sonst unertragbare Bedrängen im Voraus zu unterbinden, dieser scheint auch tatsächlich viel zu wissen, erzählt zumeist Informationen die auch im Bradt (unser guter Touriguide für Äthiopien, Danke Anasthasia) stehen, hat aber den Vorteil interaktiv zu sein und auf persönliche Fragen und Anmerkungen reagieren zu können.
Der Ort Lalibella selber, hat nicht viel zu bieten, ist gut zum relaxen auch das Hustling (Bedrängen durch einheimische, die mit unglaublicher Ausdauer irgendwelche Geschäft zu vermitteln versuchen) ist eigentlich erträglich. Natürlich wird man ebenfalls pausenlos von Kindern und Jugendlichen angebettelt; diese sind hier jedoch sehr erfinderisch und so entbehrt das Ganze nicht einem gewissen Unterhaltungswert. Eine typische Konversation dazu:
-Hello, how are you!
-I’m good, how are you!
-Good, what’s your name?
-Dominik, and you?
-Yohannis, I know all capital citys of europe.
-Realy? What’s the capitol of Switzerland?
-Bern
-Slovakia?
-Bratislava! I know them all!
-Ok, Andorra?
-Andorra City.
-erstaunt Ok let’s make it more difficult! Ukraine?
-Kiew
-Belarus?
-Don’t know!
-Got’ya. But you’re good! Do you know also the african one? That’s even more impressiv!
-No, because there is a problem we are 64 children in our class and so the covernment can not suport us with all the books we get only one every year, but you can support me and come with me to the bookstore and buy me a book!
-No.
-Abgang Kind

Lucy in the Sky with Dimonds

Wim’s Hollandhaus, Addis Abeba, Äthiopien, Geoposition, Höhe Datum

neue Glocke
Einbau

Er ist Chirurg, tendiert dazu die Blase aufzustechen und rauszupressen was rauskommt, sie ist Medizinerin, tendiert zu Verabreichung von Tabletten. Mir gefällt beides.
Da sich bereits ein kleiner Riss gebildet hat ist der Weg für rauspressen geebnet, die erste Behandlungsweise festgesetzt. Da aber wie gesagt eine inflazionäre Verbreitung bereits eingesetzt hat, lässt sich Medizin nicht verschmähen und ich wills auch nicht missen. Erste Dosis ist ein Antiwurmmittel, bestehend aus 2 Tabletten, zweite Dosis und weit mühseliger einzunehmen ist die sowieso fällige an Prazikuantil (6 Tabletten in weisser Bohnen-Grösse) gegen Billharziose und andere Parasiten. Zu guter Letzt, aber nicht bevor ich bewiesen habe, dass Billharziosemittel nicht zu kotzen (Christinas Reaktion 2 Tage zuvor) startet die Antibiotika Therapie mit Aziclav (für Haut).
Christina hat wie gesagt die Billharziose Medikation kurz zuvorgenommen und ihr Ausschlag scheint eingedämmt, ist auch nur oberflächlich. Das ganze kommt mir vor, wie ein Vorgeschmack aufs Alter. 20 Tabletten täglich, dazu Vitamine und Spitexinnen die sich wohl endlose Geschichten über Afrika anhören werden müssen.
Das ganze spielt sich ab am Wochenende im chritlichen geschlossenen Addis Abeba, verläuft so zwangsläufig mit Ruhe, Waschen und Blogschrieben, was dringend nötig ist.
Montags gehen wir erst mal zu Giulio, dem Italiener, der sich seine Brötchen mit Schweissen verdient, und vorgeschlagen wurde von Holländern, die in Addis wohnen hier rumhängen und die Frage nachhaltig beantworten, wieso sich ein Hollandhaus in Äthiopias Hauptstadt über Wasser hält. Giulio ist nicht da, aber vor seiner Werkstatt treffen wir auf Renny, Holländer, der uns empfiehlt erst mal bei Mercedes Äthiopien vorbei zu schauen und ein Ersatzteil zu besorgen, er kenne dann einen der es einbauen würde.
Dies hat uns Peter nach dem ersten Bruch ebenfalls vorgeschlagen und auch eine entsprechende Glocke aufgetrieben, diese ist aber leider noch in der Schweiz und ein Versand wohl gleichteuer wie eine Occasionbesorgung vor Ort, wenn sich denn eine findet.
Also fahren wir erst mal zu Mercedes und fragen nach Hilfe. Offensichtlich ist aber deutsche Geschäftigkeit und Wertarbeit nicht zwangsläufig in ausländischen Vertretungen von deutschen Firmen verankert, hier hat niemand Lust uns irgendwie zu helfen, dies sei nicht Mercedes. Zu unserem Vorteil in den Vorverhandlungen, ob eventuell Vorabklärungen gemacht werden sollen, ist der Mercedesstern nicht zu übersehen. Kurzer Blick in irgendwas oder vielleicht auch nirgendwas: Nein tut uns leid, wir können euch nicht helfen.
Etwas konsterniert sind wir schon über den Mangel an Beschäftigungsdrang, wollen abziehen als gerade ein älterer Herr vorbeiflitzt, der seine Arbeitskleidung nicht nur zum Trockenen zu tragen scheint. Ja das kenne er, sei das gleiche bei all diesen Motoren, gibt Nummern durch, die alle im System gefunden werden können.
Wieder nichts.
Einer schickt uns zu irgendwelchen Shops, nähe Mexico Square aber die finden wir nicht. Machen wirs halt wie immer, fragen einfach mal einen von den hundert Ersatzteilläden nach einer Gussglocke. Dann noch einen und noch einen. Irgendwann kristalisiert sich heraus, dass nähe Gofa-Hotel Autoabbruch betrieben wird und damit einher logischerweise Gebrauchtteilehandel. Weg kann uns niemand beschrieben, was auch nicht ganz unlogisch ist, wer hat schon ein eigenes Auto.
Wir findens trozdem und, was total supertoll ist, inner 10 Minuten haben wir ein identisches Teil gefunden von 3500 auf immer noch teure 1800 Birr (ca.100USDollar) heruntergehandelt und sind wieder unterwegs zu Mercedes Äthiopien, denn die könnten das Teil sicher besser einbauen und vielleicht auch grad noch die Kupplung ersetzen. Dort macht man uns mit dem selben bereits vorher zur Schau gestelten Enthusiasmus ein Angebot über 4000 Birr, meinen 7.6 Stunden werde es wohl dauern.
Dieser Preis ist so unverschämt, dass ich nicht mal verhandeln mag, meine wenns teuer komme koste das 1000 Birr bei einem Mechaniker auf der Strasse und weil sie’s hier vielleicht besser machen, wäre es mir vielleicht 2000 wert, aber 4000 sei nicht mal ein akzeptabler Preis in Europa und da dauere sowas max. 2-3h! Und raus, Renny anrufen, Mechaniker aufsuchen. 750 Birr! Die Jungs machens zwar nicht schlecht, aber ich passe gut auf, denke einige Male zwischendurch, dass ich das wohl besser selber machen sollte. Beim nächsten Mal versteht sich....
Währenddessen finde ich in unserer Ersatzteilkiste einen 2. Regler der zu funktionieren scheint und baue ihn auch ein, Mowag wieder top!
Inzwischen ist es Dienstag und unser letzter Punkt ist der Besuch des Nationalmuseums hier in der Stadt.
Dieses ist nicht viel grösser wie das Naturhistorische Museum in Olten, hat aber was ganz Spezielles zu bieten, nämlich das vollständigste je gefundene Skelett eines Vormenschen, genannt Lucy! Dargeboten in einer feinen kleinen Ausstellung, die ebenfalls Fragmente von anderen in Äthiopien gefundenen Hominiden (und das ist fast das gesamte Vormenschenrepertoir). Zusätzlich gibt’s noch Haile Selasieis Krone und die Information dazu, dass dieser mit bürgerlichem Namen Ras Tafarey geheisen hat.... wenn mir das nicht bekannt vorkommt!

Die Infektion

Wim’s Hollandhaus, Addis Abeba, Äthiopien, Geoposition, Höhe Datum

Putztag
Wurmhand
Wurmbauch

Es hat nicht mehr geregnet, die Überfahrt gelingt mühelos, wir erreichen bald darauf, nach 970 km und 8 Tagen endlich wieder eine Teerstrasse. Wieder fahren Simon und Kirsty vorweg, denn sie habens eiliger wollen/müssen eine Fähre früher in Wadi Halfa sein. Allerdings bitten wir die Ärzte, sich eine Eiterlaufbahn an meinem Fingeransatz anzusehen, diese brennt, hat sich seit etwa 3 Tagen zu bilden begonnen, wächst länglich.
Unsere Vermutung, ein Wurm lebt in meiner Haut, gräbt sich vorwärts hinterläst eine Eiterbahn. sicher Eklig, aber nicht tödlich, ausser für den Wurm, dieser kann in der eigentlich ungeeigneten Umgebung nicht existieren, wird innert kurzer Zeit absterben und dann von meinem Körper absorbiert werden. Sollte es nicht so sein, wollen die zwei sich’s nochmals in Addis anschauen, denn da treffen wir sie sicher wieder.
Dazwischen Konso, wo wir uns zum ersten mal Injera reinziehen. Beschrieben am besten als gegärte Mischung zwischen Crèpe und Fladenbrot, geköstigt mit allerart Saucen, der Äthiopier isst’s im Normalfall 3 mal am Tag, ich vertrage es nur alle 3 Tage. Dann Richtung Arba Minch und hier ist leider wieder kurzzeitig Schluss mit der neuen Teerstrasse, es folgt schlaglöchrige Piste, auf die ich leider nach frischgewonnener Lustamendlichwiedervorwärtskommen nicht adaptieren kann. Ein paar kräfige Rumpser und es klakert wieder unterm Auto, allerdings nicht das vertraute Geräusch kaputter Federn. Halten am Strassenrand. Inspektion unterm Auto. Wie vermutet ist wieder eine Aufhängung an der Gussglocke gebrochen, allerdings nicht da wos vorher geschweisst wurde, sondern zwischen den Schraubenlöchern. Ich stelle sicher, dass kein Teil verloren gehen kann und unterstütze den Motorblock mit einem Spanngurt unter dem Getriebe, die zweite Aufhängung hält noch.
Inzwischen hat sich das realexistierende Äthiopien dem Gerücht über ebendieses angepasst, eine Aktion jedwelchen Ausmasses am Strassenrand, zieht sofort Kinder bis Jugendliche an, die mit minimalstem Abstand drumrumstehen und sich gegenseitig darin zu überbeiten versuchen, im unpassendsten Moment um einen Birr (Äthiopische Währung) etwas Süsses oder einen Kugelschrieber zu betteln.
So fixiert erreichen wir ohne weitere Probleme erst Arba Minch, dann Lake Langano schliesslich Addis Abeba, die Milionenstadt auf 2400 MüM. Inzwischen hat sich meine Eiterblase auf fast Zoll-Länge ausgedehnt und auf die Innenseite des rechten Unterarms, des linken Oberschenkels, Bauch und Christina ausgebreitet. Zusammen mit der Lichtmaschine oder deren Regler und der Motorenhalterung gibt das einiges zu erledigen und eine gute Ausgangslage auch in dieser Stadt Altagsleben zu erforschen.

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Der Alb der Perversheit, oder es ist noch nicht vorbei!

Bekele Mola Hotel, Arba Minch, Äthiopien, Geoposition, Höhe Datum

gestrandeter Toyota
äthiopische Landschaft
Injera

Definitive Einreise in Äthiopien erfordert zwar ein Aufkreuzen bei der Immigration in Omorate, ist aber weiter problemlos, wir werden eingetragen und gestempelt. Dauer 30 Minuten, sehr freundlich. Zoll gibt’s keinen, Carnet will keiner sehen.
Hier oder besser gesagt kurz darauf trennen wir uns von Kirsty und Simon, die mit ihrem Landrover schneller unterwegs sind auf der gemachten Gravelroad, es eiliger nach Hause haben. Wir tukern also friedlich und wieder allein durchs South Omo-Valley Richtung Zivilisation, wozu Omorate noch nicht gezählt werden kann. Unterbrochen wird die Zweisamkeit kurz nach Turmi, wo ein Rudel Ansässiger versuchen einen Kleinlaster, der wohl bei Dunkelheit und infolge übersetzter Geschwindigkeit oder einsetzender Müdigkeit von der Strasse abgekomemn ist und sich überschlagen hat auf diese zurückzuschieben. Wir lassen uns die Situation erklären und willigen ein, das leere und somit nicht alzu gewichtige Fahrzeug auf die Fahrbahn zurückzuziehen.
Dies gelingt ohne Probleme, zum Dank kriegen wir die Info geschenkt, dass die Strasse nach Konso unterbrochen ist.
Ob ein Landi des Weges kam fragen wir? Ja, sei aber noch nicht zurückgekommen.
So schlimm wird’s dann nicht sein, denken wir, fahren den beiden nach, werden bald eines besseren belehrt, als uns diese lichthupend entgegenkommen und kein durchkommen versichern. Also wieder zurück nach Turmi und von da entlang einer Neubaustrasse nach Key Afar. Weiter nicht schlimm, da solls auch einen guten Campingplatz geben, wenn, ja, wenn der Regen nicht wäre, denn dieser setzt wieder ein macht den ersten Bach nass, den zweiten flüssig und den dritten zum reisenden Strom, der weiter anschwillt. Kein Durchkommen.
Hier stecken wir also, wieder zusammen mit den Schotten, einem Buss, einem Laster und etlichen 4x4s fest, warten erst im Auto und bei ströhmendem Regen, dann drausen zusammen mit vielen anderen am gefluteten Übergang.
Gegenüber hat sich inzwischen ebenfalls eine ordentliche Menge an Fahrbarem aber im Moment Unnützem angesammelt, und wir machen ersten Kontakt mit der Tatsache, dass das South Omo-Valley eine touristische Hauptattraktion ist in Äthiopien (hier wohnen noch etliche Stämme in traditioneller Kleidung, wie das auch bei uns bekannte Motiv der Unterlippenplatte, die zahllose Touristen anziehen und sich nun mit nicht mehr ganz urtümlichem, aber sehr einträglichem Posieren vor Kameras den Lebensunterhalt verdienen. Viele Weisse, hier Farangij gerufen, warten mit uns an der Furt.
Die Furt selber ist nicht sehr breit vielleicht 3 Meter. Aber bereits die davor existierenden mindestens 6 Meter Wasserbreite versichern eine entsprechende Tiefe, diese ist auch vorhanden, wegen einer ebenfalls existenten Biegung ungleichmässig, nahe dem uns gegenüber liegenden Ufer am tiefsten, daraus resultierend ein Absatz von ca 30cm. Dieser ist es vorallem, der uns alle davon abhält fahrbahre Untersätze in die Fluten zu fahren.
Alle? Nein, nicht ganz. Ein von unbäugsamen Geistern bewohntes Gehirn will Widerstand leisten, ist mit seinem Landcruiser, älterer Bauart, bereit, hält langsam auf die Furt zu. Leichtes Spielen mit dem Gas, Wohlgesinnte meinen, um die Menge des anwesenden Publikums auseinander zu treiben, andere um ungeteilte Aufmerksamkeit für männlichen Wagemut zu erhaschen, kündigen ein Spektakel an, das mit beschläunigendem Aufdiefurtzuhalten seinen Anfang hat, ansteigt mit dem Wasserkontakt und ein schlagartiges Ende nimmt, als das Gefährt, einem Autounfall gleich, in den bereits beschriebenen Absatz rumst und augenblicklich zum Stillstand kommt. Verzweifelte Versuche zurück oder vorwärts fruchten nicht, führen zur endgültigen Bestätigung eines Schicksals, das so absehbar war, das nicht mal der Begriff Schicksal hier passend erscheinen darf. Gelächter, vielleicht am meisten meinerseits, verebbt, wird gefolgt von wildem Rufen und Gestikulieren, das auch der Fremdsprachige versteht, signalisieren „raus aus dem Auto!“ denn dieses beginnt wegen der nicht unwehsentlichen Strömung in den Untergrund zu sinken. Bereits reicht das Wasser zu den Türen! Der Unglücksfahrer kann sich unter angehaltenem Atem des Publikums aus dem Fenster retten. Aber der Lärm ebt nicht ab und ich merke, dass die Inteligenzbestie nicht nur sein Auto in die Fluten gesetzt hat sondern auch Grosmutter und Freundin.
Das Wasser steigt (oder besser das Auto sinkt), läuft bereits über das Fenster ins Auto. Reissen an den Türen. Ich denke jetzt muss wohl jemand sterben! Aber die zwei Frauen haben Glück können erst Ihre Handtaschen retten (!!!) und dann sich selbst.
Allein schon um das Auto möglichst leicht zu halten wäre ein Versuch ohne Passagiere und Gepäck vernünftig, aber so ist das eben. Wenn schon scheitern, dann wenigstens richtig!
Es folgt eine gewisse Konsternation, gefüllt mit Staunen über ein in den Fluten steckendes Fahrzeug und der Erkenntnis, dass das neue Hinderniss, die Ströhmung des Wassers entscheidend ablenk und so das Relief der überschwemmten Fahrbahn zu Gunsten der Wartenden verändert.
Zeit verstreicht, das Wasser wird weniger, ansonsten passiert nichts. Irgendwann taucht aber ein unbeschreiblich grosser Trax auf, wohl von der chinesischen Strassenbaufirma und beginnt mit der Versuch, den gestrandeten Toyota zu bergen.
Trax fährt rückwärts an den Unglücksort, Kette wird an am Toyota befestigt, dann am Zugfahrzeug. Dieses fährt an und das Teil vom Toyota, das mit der Kette Kontakt hatte, erscheint aus den Fluten, alleine. Neuer Versuch und so wird der Toyota Stück für Stück geborgen. Irgendwann tritt aber eine Veränderung in der Taktik auf, man denkt nach, versuchts ganz unten und hat Erfolg. Finally!
Zur Freude der Wartenden beginnt die Baumaschine nach vollbrachter Hilfeleistung den Absatz im Wasser etwas auszuebnen und es folgen weitere Versuche, nicht mehr so wagemutig, aber doch kritisch. Zuerst ein Lastwagen, der’s bis zur Hinterachse schafft, dann aber wegen fehlendem Allrad stecken bleibt. Trax zieh raus, geht klar. Nun wieder ein Landcruiser, auch dieser mit Schwung gefahren, knallt von neuem in den auferstandenen Absatz (dank spulendem Laster). Trax tritt wieder in den Einsatz, und Christina äussert gerade den Gedanken, dass wohl jeder so schnell wie möglich rein will, im Wissen darum, dass momentan jemand da ist, der ihn auf die andere Seite rausziehen kann, als die Baumaschine ins Rutschen kommt und rückwärts auf den Landcruiser zuschlittert. Das Kettenpersonal kann sich gerade noch in Sicherheit bringen, aber für die drei im Auto (natürlich vollbesetzt!) kommt jede Hilfe zu spät. Zum zweiten mal heute befürchte ich Personen verenden zu sehen aber der Trax kommt zum Stehen, keilt sich mit der eigenen Schaufel im Boden fest. Als der Landcruiser drausen ist, machen wir uns auf, die Überfahrt zu besichtigen, finden, dass eine Querung etwa 2m weiter links möglich wäre, aber mitlerweilen ists dunkel und eine Überfahrt macht wenig Sinn, (falls es nicht nochmals zu regenen beginnt) wir übernachten an Ort und Stelle.