Black Cotton Soil; Masai Mara Part III

Oldarpoi Camp, Sekenani Gate, Masai Mara Nature Reserve, Kenia, Geopisition S01° 31.436’, E035° 21.068’, Höhe 1762m, 04.10.2011

Kardanwelle einbauen
und raus!
Schlammrad
Schlammdomi

Ob wir 4x4 im Park benötigen, ist die obligatorische Frage vor dem ersten Gamedrive-Tag, denn die Kardanwelle für den Vorderradantrieb hat immer noch frei, steckt im Ersatzteilkasten und nicht unterm Chassis. Nein, es gehe auch ohne, kommt die unbekümmerte Antwort daher, trotz öfterem Regen in letzter Zeit. Wir glaubens, haben auch Vertrauen in John, den Masai, und unsere Erfahrungen auf der Tiefsandpiste im Chobe. Vielleicht hören wir auch nur, was wir hören wollen, denn bereits ist die in Lilongwe revidierte Feder wieder gebrochen und wir haben keinen Ersatz, wollen einfach nur hören, dass uns das nicht den Park versaut.
Nachts vor unserem Parkbesuch regnets nochmals, aber John, der Masai bleibt guten Mutes, wir fahren ohne Allrad in den Park.
Natürlich sind aber die Strassen nicht den von den Versprechungen genährten Erwartungen entsprechend. Auch ist die Hauptstrasse trotz anderslautender Information nicht geteert, macht aber nichts, denn immerhin ist sie durch Kies befestigt, ein Umstand der uns später noch viel Ärger ersparen wird.
Vorerst verläuft aber die von John dem Masai bestimmte Route durchs Gelände, heisst entlang von mindestens einmalig befahrenen Spuren. Der Untergrund hier kann treffend mit schmierig oder glitschig beschrieben werden. Eigentlich ist er ideal zum Befahren, wenns trocken ist. Recht hart und somit frei von Unebenheiten und Wellblech, wenn’s trocken ist.
Dank dem Regen von letzter Nacht ist’s allerdings nicht trocken und das bedeutet eben schmierig, denn die Beschaffenheit des schwarzen Untergrundes ist so fein, dass er bei der geringsten Feuchtigkeit sofort aufweicht. Ähnlich der Temperaturkurve von gefrierendem Wasser, die sich bis 0° (oder 273.15 K je nach Skala) senkt, dann verharrt bis sämtliche Flüssigkeit erstarrt ist und erst danach weiter sinkt, verhält sich die fortschreitende Verschlammung von Black Cotton Soil. Denn Dank der Kompaktheit im trockenen Zustand fliesst kein Wasser durchs Erdreich ab, bleibt erst in Pfützen stehen, frisst sich dann in die oberste Schicht, weicht diese komplett auf, arbeitet sich bis zur Erschöpfung des Wasservorrates weiter in den Untergrund. Vorteil dabei, scheint die Sonne, trocknet’s schnell ab. Nachteil, wenns, regnet wird die oberste Schicht sofort glitschig. So geschehen und entprechend schnell zur Kenntnis genommen.
Glücklicherweise scheint aber bereits ab 6.00 Uhr die Sonne und Dank der Lage am Äquator und des Datums um die Herbsttagundnachtgleiche mit entsprechend starker Sonneneinstrahlung ist es bereits mit den ersten Löwen trocken.
Natürlich ist der bis hier beschriebene Zustand des Untergrundes und sein Verhalten bei Vorhandensein mit Wasser noch nicht die umfassende Wahrheit. Hinzu kommt die Beschaffenheit der Landschaft, hügelig, und damit einhergehend Gefälle und die allseits vorhandene Gravitation. Da sich nämlich die Aufnahme von Regenwasser durch den Untergrund wegen bereits beschriebener Kompaktheit im trockenen Zustand pro Zeiteiheit in Grenzen hält, fliesst eine grosse Menge davon ab, sammelt sich in denjeigen Landstrichen, wo sich Gefälle und Anstieg abwechseln und führt bei entsrechender Regenhäufigkeit zu einem Labyrint aus un- oder schlecht passierbaren Wasserläufen und Schlammgruben.
So geschehen bei uns, denn wie bereits mehrfach erwähnt regnet es seit Kisii regelmässig. Aber was solls, wir haben John den Masai, und die Bewältigung des Labyrints ist sein Métié. Zielstrebig führt er uns durch, ist jedoch durch Erscheinung unseres Gefährts mit entsprechend grossen Rädern ein bischen übermütig und als wir an einem Wasserlauf stehen, er uns durchschicken will, ich nochmals nachfrage, er meint, 4x4 rein und durch, ich, kein 4x4 heute, er lenkt ein auf aussenrum. Aussenrum ist jedoch nicht ganz immer aussen um den Schlamm rum und so steigt das Vertrauen in Mowag der auch kleine und grössere Schlammpfützen ohne Murren bewältigt.
Leider ist aber die letzte erwähnenswerte Eigenschaft von Black Cotton Soil und darin enthaltenen Schlammpfuhlen, dass es von oben oder aussen nicht möglich ist, Fortschreitungsgrad der lokalen Bodenaufweichung (Tiefe) auch nur annähernd exakt zu verifizieren. Schmal und undspektakulär kommt die Schlammrinne daher, um die sich die Schlammgeschichte des Tages dreht. Situationsbezogener Vorteil, nur immer eine Achse steckt im Schlamm, kann also bei 4x4 anstandslos von der anderen durchgeschoben oder nachgezogen werden. Durchschieben funktioniert noch relativ gut , denn die Hinterachse ist dafür bei 2x4 sowieso zuständig.
Natürlich kündigt sich das Debakel bei der Einfahrt an, als die Vorderachse über Erwarten einsinkt, und die sich darüber befindenden Sitze entsprechend an Höhe verlieren. Sichere, vernünftige Lösung wäre hier rückwärts raus, aber ich denke, durch, denn auch Umwege sind fast erschöpft. Fehler zwei, denn Durch ist durchaus Fehler Eins, ich schalte nur bis zum 2. Gang runter, kein erster und keine Untersetzung was noch besser gewesen wäre, denn mit Schwung und entsprechendem Drehmoment wäre es eventuell gegangen, eventuell, denn uns fehlt das Drehmoment und nach erfolgtem Runterschalten und Untersetzungszuschalten der Schwung. So stecken wir erstmal fest, keine 100 Meter von einer Büffelherde entfernt, die unser Treiben mit zunehmender Verwunderung und Unruhe beobachtet. Glücklicherweise sind Büffel zwar relativ agressiv, bevorzugen aber die Flucht wenn immer möglich und machen sich auf, weg von uns, denn uns bleibt nichts anderes übrig als auszusteigen und uns manuell aus dem Schlammgraben zu befreien. Erste Massnahme dabei ist das Einbauen der fehlenden Kardanwelle, denn Vorderradantrieb ist vielversprechend, da Vorderräder bereits wieder auf dem Trockenen sitzen, was auch bedeutet, dass das Einbauen auch auf halbwegs trockenem Untergrund stattfindet. Unterdessen sammelt Christina Sträucher um die Traktion der Hinterräder zu erhöhen und John der Masai verscheucht die Büffel, denen der Anblick eines rot gekleidetetn Menschen geläufig genug erscheint, um nicht in Angst und wilde Raserei zu verfallen.
Wie erwartet oder mehr erhofft reicht der Antrieb auf vier Rädern aus, um uns aus der Zwangslage zu befreien, und wir können mit gewonnenem Selbstvertrauen und Allradantrieb gamedriving fortsetzen.
Es folgen zwei Flussquerungen, die etwas tricky sind, aber mit Reduktion und schön langsam trotz gebrochener Feder problemlos gehen, denn es geht über Felsen und John der Masai weiss ohne Ablaufen, wo es lang geht.
Natürlich, lieber Leser, rechtfertigt die hier geschilderte Version des Steckenbleibens nicht die lange, ausführliche und durchaus auch ermüdende Einleitung zum Thema Schwarzer Dreck. Da muss also noch mehr, noch Schlimmeres kommen.
Tatsächlich kommt es auch tagsdarauf und schlimmer ist es in der Tat.
Wir schreiben den 04. November 2011 gemäss GPS-Track 15.37 Uhr. Es ist etwa 1 ½ Stunden nach dem Crossing, bereits liegen auch die selben zwei Flussquerungen vom Vortag dazwischen, die Federn haben gehalten und eigentlich kann uns nichts mehr passieren bis zum Sekenani-Gate, das wir pünktlich erreichen sollten.
Einzig am Horizont zeigen sich finstere Wolken, aber auch das bereitet uns keinen Kummer, denn die „Hauptstrasse“ ist ja gekiest. Leider folgt nun aber das Labyrint der Schwemmstreifen und just hier können wir nicht mehr dem Track des Vortages folgen, der uns in umgekehrter Richtung sicher durch den heutigen Vormitag geführt hat. Es kommt, was kommen muss, wir fahren in eine Schlammsenke, die wir nur zu 50% bewältigen mögen! Eigentlich sind es sogar 75% wenn nicht 90%, aber die restlichen paar Prozente scheinen wie der Himalaya, sind nicht zu machen, Mowag bewegt sich nicht. Wir steigen aus zur Schadensbesichtigung.
Ist im Sand noch wenig Luftdruck hilfreich, sagt man im Schlamm solls möglich viel sein, um durch die weiche Schicht zu schneiden und auf den festen Untergrund zu kommen. Soweit die Theorie und tatsächlich scheint sie auch zu stimmen, denn Mowag hat mit seinen 5,2 Tonnen den Schlamm weggepflügt und eine radbreite harte ca 40 cm tiefe Schneise hinterlassen. Leider nur rechts, den links hinterlässt Mowag gar nichts, wenigstens nicht viel, denn hier ist der Matsch so nass, dass er die Fahrrinne bereits wieder zu füllen beginnt und die Ursache unseres Maleurs ist, denn es drehen nicht etwa zwei Räder übers Kreuz durch, wie das ansonsten der Fall ist nein es sind die zwei linken, die frischfröhlich drehen, während die rechten stocksteif stecken. Differenzialsperren, die ein unterscheidlich schnelles Drehen der sich gegenüberliegenden Räder verhindern würden, gehören nicht zu der Ingenieurskunst von 1959, haben wir nicht.
Gut an der Einschneidetheorie ist, dass das Auto tatsächlich auf festem Grund aufsitzt und sich durch weiteres Durchdrehen nicht mehr tiefer eingraben kann. Dies ist auch gut denn wie immer in solchen Situationen will ich die entgültige Tragweite nicht wahrhaben, versuche erst kleine Massnahmen, dann weniger kleine, dann grössere dann grosse, dazwischen immer wieder Versuche, ob eventuell das Getätigte genügt, Mowag sich rausbeissen kann. Mal vorwärts, denn es fehlt nicht viel, mal rückwärts, denn da ist die Fahrspur bereits gemacht. Hilft alles nichts. Wie Saugnäpfe hält der Black cotton Soil die Räder an Ort und Stelle! Eigentlich haben wir ja auch noch Glück gehabt, denn keinen Meter neben dem Auto geht’s wesentlich tiefer als nur 40 cm in den Schlamm, das wissen wir genau, denn sowohl Christina beim Aussteigen als auch ich beim Graben findens raus, sinken bis zum Schritt in den Untergrund. Hosen und Schuhe habe ich längst abgelgt, beides ist voll Schlamm und zu schwer, behindert nur beim Arbeiten. So sitze ich in Unterhosen mitten in der Wildniss im Gebiet mit der grössten Löwendichte, hoffe, dass einfach niemand kommt und mich so sieht und versuche mit blossen Händen unser Heim auszugraben, denn mit schaufeln ist hier gar nichts zu gewinnen, der Unterdruck ist zu stark, die Schaufel lässt sich einmal gefüllt nicht aus dem Dreck heben. Christina sammelt derweil wieder Holz und Gestüpp, zweites für unter die Räder, erstes für mich, damit versuche ich verzweifelt einen Damm neben die Fahrspur zu bauen, um den immer wieder einfliessenden Schlamm zu stoppen. Eine Stunde stecken wir bereits fest, mittlerweile ist es halb fünf, unsere Chancen, das Gate zu erreichen schwinden, am Horizont ist es grau, gar nicht weit weg regnet es in Strömen. Bis jetzt ist’s trocken, aber sollte sich das ändern, haben wir keine Chance hier innert nützlicher Frist rauszukommen. Daran und an die Löwen mag ich gar nicht denken, verstärkt nur die Panik, die in mir aufsteigt, genährt auch durch die körperliche Erschöpfung, vom stundenlangen Kampf mit dem Schlamm. Christina bleibt der ruhende Pol, sammelt Holz, spricht beruhigende Worte.
Dreckig bin ich inzwischen bis unters Kinn, aber das ist zweitrangig, auch die Scham hat sich gelegt, denn eines ist inzwischen sicher: hier kommen wir nicht alleine raus und so hoffe ich nur, dass jemand vorbeikommt und uns rauszieht.
Jemand ist ein Touristenbuss, mit zwei Chinesinen, der auf uns zuhält.
In Unterhosen und verschlammt laufe ich auf ihn zu und frage erst mal wie es ihm geht!
Ja wir stecken fest, ob er uns eventuell rausziehen könne? Mit seinem Bus, nein, aber er funke gleich den Landcruiser an, der nicht weit weg zu sehen ist. Während der Toyota kommt, nimmt der Busguide die Situation in Augenschein, fragt, ob wir Seile dabei hätten! Ja Seile haben wir genügend, was auch wichtig ist, denn so kann das Ziehauto von wirklich festem Grund aus arbeiten.
Eine Bemerkung am Rande verdient auch die Chinesin, die den Guide fragt, ob sie in die Büsche darf, wo Christina gerade längere Zeit Holz gesammelt hat, um zu pinkeln, was dieser verneint, zu gefährlich wegen der Löwen.
Inzwischen kommt der Landcruiser zusammen mit zwei amerikanischen Touristen, alle sauber und im Urlaub, dazwischen ich, immer noch in Unterhosen, aber das fällt wohl nicht weiter auf, denn der Schlamm macht mich einheitlich grau und falls nicht ist mir das auch egal,denn wir schöpfen wieder Hoffnung, das ganze Debakel noch heute und in der Zeit hinter uns zu bringen, derweil sich der Toyota in Position begiebt, um uns nach hinten rauszuziehen.
Ich sitze ins Auto, starte auch, Rückwärtsgang, Reduktion, Allrad. Christina führt von aussen das Kommando. Los geht’s, keine Chance. Zweiter Versuch, wohl muss der Landcruiser noch die Reduktion einlegen, wieder nichts, Toyota stirbt ab. Dritter und letzter Versuch, ich gebe ebenfalls Vollgas wie auch der Toyota, keine Bewegung, dann ein Plopen und Schlürfen, als unsere Räder sich aus dem Schlamm lösen und sich unser Mowag wieder auf festen Untergrund schiebt. Nie und nimmer hätten wir das ohne Hilfe geschafft.
Natürlich will der Tourguide noch von uns wissen, wie wir so dämlich sein konnten hier reinzufahren. Ja wir seien eben Muzungus, sage ich im Scherz, aber er meints ernst, und so erkläre ich ihm, das dies nicht das erste Schlammloch war, auch mit dem Masai-Führer gestern seien wir ähnliches gefahren. Manchmal hat man halt Pech.
Bei uns macht sich noch Euphorie breit über die Befreiung und ich kann mich gar nicht genügend Bedanken, aber irgendwie scheinen es alle eilig zu haben, wieso ist auch bald klar, denn kaum sind wir frei beginnt’s auch hier in Strömen zu regnen. Da wir ja nun aber immer noch auf der falschen Seite stehen bringen wir schnell den Mowag über eine trockene Furt, die gar nicht weit weg ist, und packen da erstmal unser Zeug zusammen. Problem nummer Eins ist aber die Sauerei, die ich im Fahrersitz hinterlassen habe und der Zustand in dem wir uns immer noch selbst befinden. Nicht unpassend ist deshalb der Regen, wir entledigen uns des spärlichen Restes unserer Bekleidung und ich dusche sogar spliternackt unter der Ablaufrinne unseres Autos, während Christina den gröbsten Dreck vom Fahrersitz kratzt und den Rest mit den Badetüchern abdeckt.
Erschöpft aber glücklich machen wir uns auf zur Hauptstrasse, grossräumig alle Schlammpools umfahrend. Inzwischen ist aber Dank des Regens alles wieder glitschig und auch uns bleibt manchmal nichts anderes übrig als auf Gras auszuweichen wo die Fahrbahn bereits wieder zu tief ist und die Vorderräder trotz Allrad einfach nur geradeaus schieben.
Aber wir schaffen es und um 18.15 Uhr sind wir am Gate, kurz darauf im Oldarpoi Camp, wo uns freundliche Masai eine heisse Bucketshower bereiten und ein warmes Bier servieren. Scheissegal und die Zigarette hab ich mir auch verdient!

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Herdentiere; Masai Mara Part II

Oldarpoi Camp, Sekenani Gate, Masai Mara Nature Reserve, Kenia, Geopisition S01° 31.436’, E035° 21.068’, Höhe 1762m, 04.10.2011

Gnus auf dem Weg zum Wasser
Gnus im Wasser
Gnus aus Wasser
Sie
ganze Szene
Touris

So stehen dann tagsdarauf beriets um 10.30 Uhr zwei Muzungus mit lustigem gelben Auto an der Kreuzung von Fluss und Herde. Nicht allein sind wir bereits zu dieser Tageszeit, drängen uns mit anderen Autos um den Fluss, sehen ein paar Zebras zu, die sich am anderen Flussufer mit Trinken und Nichtgefressenwerden abmühen.
Keine Gnus, noch keine Gnus, denn diese rennen ein paar Meter weiter hinten auf und ab, wissen noch nicht genau was Sache sein soll, eintscheiden sich dann aber doch, was uns durch das Verschwinden sämtlicher Safarifahrzeuge übermitelt wird, das Crossing findet an Kreuzung Zwei statt. Auch wir fahren natürlich dahin, stellen uns in Reih und Gleid mit den Safaribussen, nicht weniger als 20 an der Zahl, cirka 150 Meter hinter dem Fluss, denn näher würde die Gnus stören und zu einem möglichen Aktionsabbruch führen. Bis jetzt siehts aber noch nicht danach aus , denn die Herde der Gnus zieht an den Autos vorbei, tausende und abertausende, stauen sich am Fluss, blöcken um die Wette. Wir schätzen mit unserem ungeübten Auge wohl etwa 5000 Tiere, könnten aber gut auch „nur“ 3000 oder gar 10'000 sein.
Was um ca 11.00 Uhr erfolgversprechend begann, flaut leider ab, führt zu einem Schwappen entlang des Ufers nach rechts und links. Nacheinander werden Kreuzungspunkte auf Tauglichkeit untersucht, oder der Gruppenzwang treibt die Tiere ausgelöst von einem Grasbüschel, den ein Gnu in der Mitte von Tausenden zu einem Schritt nach links genötigt hat, mal da mal dorthin, wer weiss das schon...
Zwischen 11.30 Uhr und einer Stunde später nimmt dann die Gnudichte ab und analog dazu die der Blechkarossen, nur einzelne harren aus, halten sich bereit. Mit ihnen wir, geniessen für einmal unseren Zeitvorteil gegenüber von Fluggästen.
Zwischendurch essen wir, an der Wasserfront tut sich nichts. Unbemerkte Ursache veranlasst aber um ca 13.30 Uhr den allgemeinen Zug der Herde, sich wieder dem Wasser zuzuwenden, immer mehr Tiere stossen aus dem Hinterland dazu, treiben die Gnudichte pro Quadratmeter auf einen Tageshöchststand und mit ihr auch die Anzahl der Busse. Ich frage mich noch, wie eigentlich der geübte Touristenguide entdeckt, dass es vor ihm losgeht, als am gegenüberliegenden Ufer ein Schwall von glänzendem Schwarzgrau die Böschung hochschwappt, bestehend aus nassen Gnuleibern, verdichtet zu einem grossen Ganzen. Jetzt gibt’s kein Halten mehr, weder in der Herde der Tiere noch in derjenigen der Autos. Getrieben von den ersten mutigen und den nachahmenden Folgern bewegen sich die Unterschiedlichen in Symbiose, Bestandteil eines grossen Ganzen, preschen, umhüllt von Steppenstaub zum Ufer, die einen um zu sehen, die anderen um nicht am Ende am falschen Ufer übrigzubleiben. Wir mitten drinn, fahren, unerfahren wie wir sind leider erst mal falsch, stecken im Gnustau, setzen zurück, folgen den anderen, finden unseren Platz in unserem Teil der Herde, den Zuschauern und Knipsen.
Genauso wie die artfremden Touristen, sind auch Zebras Bestandteil der Herde, zwar heute nur vereinzelt, aber einige spielen mit, zwängen sich als Untergruppe geschlossen durch die Gnus und schwimmen ebenfalls durch das inzwischen zu kochen scheinende Wasser.
Nicht Bestandteil der Herde ist Sie! Obwohl auch Sie Ihr Handeln dem allgemeinen Treiben angeglichen hat, wohl ebenso lange gemächlich im Schatten auf den Beginn des Spektakels gewartet hat, schleicht Sie jetzt entlang des Ufers, geschützt von dem Böschungsabfall, auf die Anlegestelle der Tierleiber, nimmt Geschwindigkeit auf, prescht gleichzeitig mit der Ankunft der Zebras in den dadurch zerstäubenden Arm des Tierflusses. Dass Sie es gerade auf die Zebras abgesehen hatte, liegt nicht am schmackhafteren Fleich, sondern einfach an der Tatsache, dass die Löwin diese besser als Individuen vor dem eintönigen Grau ausmachen kann. Ohne Rücksicht auf Verluste stürzt sich die Jägerin in die Tierflut, treibt die erschöpften Tiere zu ungeahnten vom Überlebenskampf beflügelten Gewaltssätzen, die Zebras enkommen geschlossen, aber angezeigt durch das jämmerliche Quicken, wird die erfolgreiche Jagd, für uns leider von Stäuchern verborgen. Inmitten der immer noch brausenden Flut der Migration köstigt die Löwin das Gnu, sicherlich ein Festmahl, weder mit Artgenossen noch mit Hyänen geteilt. Unerwartet ist, als wieder Bewegung in die Katze kommt, diese sich wieder in Position begiebt und zwischen den am anderen Ufer ebenfalls vorhandenen Fahrzeugen hindurch, einem zweiten Tier lebenswichtige Organe zerfetzt. Später, als das Crossing, ebenfalls durch eine für uns unergründliche Ursache, beginnt zu stocken und dann vollends abreisst, einige hundert oder tausend Tiere noch am falschen Ufer zurücklässt, sehen wir Sie die Beute wegschleifen, wohl für Jungen, die irgendwo im Gebüsche warten. Tierische Version von Fastfood und Takeaway.
Mit dem Ende des Crossings machen auch wir uns auf den Rückweg, überzeugt das dies wohl unser letztes Abenteuer im Masai-Mara gewesen ist.

Löwen und andere Mengen; Masai Mara Part I

Oldarpoi Camp, Sekenani Gate, Masai Mara Nature Reserve, Kenia, Geopisition S01° 31.436’, E035° 21.068’, Höhe 1762m, 04.10.2011

Croc Camp
Sonnenaufgang
Löwen vor Fenster
Papa und Sohn
Elefant und Gnus
Hyäne

Gemäss Gnu-Zyklus haben wir die Migration in der Serengeti verpasst, wollen uns deshalb in die Masai-Mara aufmachen, um dort das Schwappen der weltgrössten sich zusammen bewegenden Biomasse zu begutachten. Gut für uns ist, dass zu einem Besuch der Migration in der Masai-Mara die Flussquerung, genannt Crossing, eben dieser durch den Marafluss gehört.
Auf ihrem Weg werden die Gnus, Zebras etc. von dem Mara-Flus behindert, stauen sich daran, wagen sich schliesslich durch die halsbrecherischen Fluten, ersäufen sich gegenseitig, werden von Krokodilen gefressen und wenn sie’s bis ans andere Ufer schaffen, werden die erschöpften Tiere in einer Pseudojagt von den wartenden Löwen zur Strecke gebracht. Klar das wir uns dieses Schauspiel nicht entgehen lassen wollen. Zwar ist die Hauptquerung, wenn die Migration zum ersten Mal auf den Fluss trifft, schon vorbei, aber die nicht ganz intelligenten Viecher nehmen das Wagnis nicht etwa nur einmal in Angriff, sondern manchmal mehrmals am Tag, gerade wie die Lust oder die Gruppendynamik sie treibt.
Wir wollen den Anlauf zur Besichtigung des Spektakels vom Talek-Gate aus starten, haben uns dazu im benachbarten Crocodile-Camp niedergelassen, das uns von Pat und Verena empfohlen wurde. Ebenfalls empfohlen wurde uns das Mitnehmen eines Guides, denn es gibt keine Karten, und das GPS ist leider auch nicht ganz brauchbar, denn bestehende Strassen sind nicht befestigt, und je nach Tiervorkommen und Regenfall verlaufen diese nicht den bestehenden Gewohnheiten entsprechend.
John unser Guide verspricht uns während einem Tag die Big 5 und das Crossing.
Naja wir glaubens nicht recht, ist uns auch nicht so wichtig, einzig das Crossing muss sicher her, dafür bezahlen wir auch 170 US$ Eintritt. Nicht desto trotz sind wir bereits früh unterwegs, denn auch zu Löwen sagen wir nicht nein, fahren bereits nach knapp 30 Minuten in ein Rudel, bestehend aus Müttern, Schwestern, Kindern und dem Pascha. Nach weiteren 30 Minuten bewahrheitet sich die Statistik, tatsächlich scheint die Masai-Mara, der Park mit der grössten Raubtierdichte zu sein. Immerwieder fährt man an den baigen Katzen vorbei (Schau da hats auch Löwen!), einher mit der Raubtierdichte geht leider auch ein unglaubliches Aufgebot an Touristen in kleinen Minibussen, Landcruisern, Land Rover. Obwohl verboten, fahren diese kreuz und quer durch den Park, hinterlassen entsprechend Spuren, die innert Kürze zu Wegen anwachsen und ins bestehende Wegsystem integriert werden. Als Folge davon leidet die Natur, die vorallem in der Nähe der Gates durchzogen ist von Fahrspuren. Zusätzlich leidet das Naturerlebnis massiv am eigentlich gut gemeinten Funk und Telefonverkehr zwischen den Guides und Tourbussen, die sich gegenseitig Sichtungen von den Big 5 mitteilen und diese dann allesamt anfahren. Ans Absurde grenzen so Fahrzeugaufläufe von bis zu 20 Stück um eine Löwenmutter mit ihren zwei Jungen, wo doch diese Raubtiere fast hinter jedem Busch lauern.
Glücklicherweise ist aber auch die Mara ein eher grosses Gebiet und nach dem ersten Verkehr verläuft sich der Feind und wir finden uns nahezu allein in der Weite, fahren runter zur Tansanisch-Kenianischen Grenze, zur Marabrücke und hoch zum Crossingpunkt.
Wie’s das Pech so will, steht jedoch an der Stelle der üblichen Flussquerung nicht ein Gnu weit und breit, nur der braune Fluss und ein paar übersättigte Krokodile. Heute kein Crossing, verdeutlicht die Szenerie, als wäre ein Schild mit entsprechendem Text vorhanden. Tatsächlich vorhanden aber ist, wen wunderts, ein Rudel Löwen, wohl Ursache des nichtvorhandenen Crossings.
Christina ist todentäuscht, auch weil John unser Masaiguide nach Telefoninformation bis zuletzt behauptet, dass das heutige Crossing ganz toll sei und uns dann wegen sprachlichen Diskrepanzen den Sachverhalt nicht ganz verdeutlichen kann.
Zurück im Camp erklährt uns Paul, dass halt das Crossing auch ein bisschen Glücksache sei, niemand könne im Voraus sagen wann genau es stattfinde und ob überhaupt, vielleicht hatte es zuviele Safaribusse oder Löwen oder beides zusammen oder das Wasser des Flusses habe einfach nicht die richtige Braunfärbung oder was weiss ich!
Tatsachen die sicherlich für uns ein Crossing nur interessanter und natürlicher machen, das Erlebnis in seiner Einzigartigkeit steigern und unseren Beschluss zementieren, am nächsten Morgen alleine zum Fluss zufahren und einfach den ganzen Tag auf die Tollkühnheit der Gnus zu warten. Typisch afrikanisch ist nur, dass natürlich im Vorneherein kein Wort über eventuelle Schwierigkeiten oder gar mögliches Nichtstattfinden des Crossings verloren wurde.

Nilquelle, Malaria und Kenia

St. Vincent Guesthouse in the catholic diocese, Kisii, Kenia, Geoposition S00° 40.140’ E034° 46,056’ Höhe 1622m, 30.09.2011

Lake Viktoria

Fast unmittelbar grenzt der Serengeti National Park an den Lake Viktoria. Fast, denn dazwischen gibt’s noch eine Strasse, einen bewohnten Küstenstreifen von ca 5 km Breite und darin eine kleine Lodge, mit Campingmöglichkeit direkt am See.
Mit 1 2/3 Fläche der Schweiz, der zweitgröste Süsswassersee der Welt und somit grösster See in Afrika reicht auch der Viktoria See für den Betrachter bis zum Horizont, scheint wie ein Meer. Natürlich macht man sich an seinem Ufer Gedanken zum Nil, der hier als Victoria Nil aus dem See abfliesst und diesen somit zu seiner bedeutensten Quelle macht.
Eigentlich ist die Nilquellangelegenheit wesentlich komplizierter und unromantischer hat logischerweise auch der Vaiktoriasee einen grössten Zufluss, der Kagera oder je nach Namensgebung Kagera-Nil. Dieser wiederum entsteht aus dem Zusammenfluss eines burundischen und eines ruandischen Flusses wovon der burundische der längere ist, gennant Ruvuvu mit nebenfluss Luvironza, und der ruandische somit ausscheidet. Der Albernheit noch nicht letzten Stadions hat aber der Luviroza noch einen Bachzufluss, der nochmals etwas länger ist und somit als mündungsfernster Nilzufluss gilt, entsprechend mit kleiner Pyramide vermerkt, aber völlig ungewürdigt, denn die Fliesslänge des Nil wird vom Ruvuvu aus gemessen und als umgangssprachliche Quelle gilt schlichtweg der Viktoriasee. Natürlich weiss der so besser schweigsame Betrachter der Wassermassen davon nichts, erfährt es nur durch Wikipedia, fühlt sich grossartig im Bestaunen des weltgrössten Flusses Quelle im weltzweitgrössten See, oder eben nicht.
Hier stehen wir für eine Nacht, wollten eigentlich zwei, aber eine Quellangelegenheit anderen Ausmasses durch Rinnen der Klospühle, Ursache für einen permanenten Wasserstand im uns zur Verfügung gestellten Bad, machts ungemütlich. Zudem gehen unsere Vorräte zur Neige, was uns nach Musoma, der nächsten und letzten grossen Stadt vor der Grenze zu Kenia treibt. Gemäss Reiseführer gibt’s da nichts zu sehen, ganz toll ist jedoch das von uns ausgesuchte Camp, gelegen auf einer felsigen Halbinsel mitten in der Nilquelle und so geniesen wir hier unsere geplante Entspannung, allerdings mehr ich als Christina, denn irgendwo haben Mücken wieder zugeschlagen, und den zeitlich verzögerten, hier nun ausbrechenden, Malariaerreger platziert, Resultat Christina liegt flach. Da wir noch von den Notfall-Medis haben heisst dies vorallem aussitzen, 2 Tage fürchterliche Übelkeit und Fieber und 3 Tage Tabletten schlucken. Glücklicherweise ist am See das Klima angenehm, die Nächte kühl, der Tag nicht all zu heiss. Ich nütze die Zeit bevor es weiter geht, den Blog entsprechend abzudaten, zudem müssen wir uns die verbleibende Reisezeit sowie dazugehörige Finanzlage einteilen.
Aus Zeitgründen entscheiden wir uns gegen den Uganda-Abstecher fahren nicht um den Lake Victoria sondern geradewegs nach Norden und Kenia. So bleibt uns ein Monat für Kenia, was auch gut ist, denn immer noch ungelöst ist das Problem mit dem äthiopischen Visum.
Am 30.09 fahren wir bei Isibania nach Kenia ein. Ausreise aus Tansania ist absolut problemlos. Christina kann Pässe stempeln gehen und ich erledige das Carnet.
Zurück zum Auto, wo sich in der Zwischenzeit bereits wieder Geldwechsler eingefunden haben. Natürlich sind wir bei dieser Angelegenheit besonders auf Trab, im Hinterkopf die verlorenen 80 US$ beim letzten Geldwechseldebakel.
Aber wir haben noch 40'000 Tsh und wollen die auch wechseln, kriegen dafür einen Kurs von 20:1 auf kenianische Shilling angeboten, den wir noch auf 17:1 drücken können.
Zollkontrolle gibt’s keine und so verlassen wir Tanzania ohne korruptionstechnologische Probleme, und mit besten Erinnerungen.
Auf Kenianischer Seite scheint alles ein bisschen grosszügiger angelegt und geordneter zu sein. Allerdings wird der Eindruck entkräftet durch das Vorhandensein von Schleppern, die uns durch das Prozedere geleiten wollen. Wir lehnen dankend ab, parkieren und machen uns erst mal auf zur Immigration und der Visabesorgung. Leider kostet dieses auch hier 50 US$, gilt 3 Monate und kommt zu unserer Freude als Aufleber und nicht nur als Stempel daher, touristentechnisch interessant, mit den Big Five, allerdings ist dem Gestalter ein markanter Fehler unterlaufen, ist nämlich der Leopard eine Cheeta.
Ausstellung dauert keine 15 Minuten, wird getätigt nach dem Ausfüllen eines Visaantragsformulars und eines Einreiseregistrierungszettels.
Es folgt die Autoeinführung und dazugehörige Carnetstempelung, in einem kleinen Zollbüro bei dem leider gerade ein ziemlicher Andrang herscht. Was solls, wir stehen auch rein und kriegen von einem der Schlepper den Gratistipp, dass es gegenüber der Strasse nochmals ein Office gebe. Wir gehen dahin, müssen warten werden darauf aufmerksam gemacht, dass das Auto 40 US$ pro Monat kostet. Ein Betrag der durch ein entsprechendes Schrieben an der Bürowand bestätigt und somit richtig zu sein scheint. Kenia soll gemäss aller möglicher Informationen anderer Reisender und Reiseführer sehr korrupt sein und daher sind wir froh um den Zettel, der hier hängt und die Richtigkeit der erhobenen Taxe bestätigt. Leider ist dies aber der einzige Vorteil des uns empfohlenen Büros, denn die Gute Sachbearbeiterin kann weder Geld kassieren noch uns ins unumgängliche Einreise-Milimeter-Hauptbuch eintragen. So artet die Zollregistrierung in ein mehrmaliges Hinundherlaufen meinerseits (Christina hat sich rekonvaleszentsbedingt wieder ins Auto gesetzt) von einem Zollbüro zum anderen aus. Aber eigentlich ist alles straight forward und ich habe nur ein müdes Lächeln für den Schlepper übrig, als dieser mich bei einem Zollbürowechselgang mit dem Spruch „I see you seem to be stressed!“ anspricht. Der gute hat keine Ahnung was man unter Grenzen so alles versteht. Bach 50 Minuten sind wir durch und in Kenia.
KENIA! Unser letztes grosses Ziel.Tsavo, die Heimat vom Geist und der Dunkelheit. Mombasa und Nairobi. Migration am Marafluss.
Leider bedeutet aber Kenia vorerst schlechtes Wetter und für uns ein Umweg über Kisii, denn die landschaftlich interessante Abkürzung zum Masai-Mara führt zweimal durch das Bett eines Flusses sowie durch als Black-Cotton-Soil bekannten schwarzen Untergrund oder eben Schlamm bei Anwesenheit von Wasser.

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